Der Footer ist der Seitenbereich mit dem schlechtesten Verhältnis von Aufmerksamkeit in der Gestaltung zu tatsächlicher Nutzung: Er wird beim Entwurf zuletzt und oft gar nicht entworfen, dabei ist er auf jeder einzelnen Seite vorhanden, trägt die Pflichtlinks, fängt orientierungslose Besucher auf und ist die letzte Chance auf eine Handlung, bevor jemand die Seite verlässt. Diese Seite behandelt, was hineingehört, welche Strukturen sich bewährt haben und woran Footer scheitern.
Was in den Footer gehört, und was nur hinein darf
Die Pflichtebene. Impressum und Datenschutzerklärung müssen von jeder Seite leicht erreichbar sein, und der Footer ist der Ort, an dem jeder sie sucht, Nutzer wie Abmahner. Bei Shops kommen AGB, Widerruf, Versand- und Zahlungsinformationen dazu, bei betroffenen Anbietern die Barrierefreiheitserklärung. Diese Links heißen so, wie sie heißen: “Impressum” bleibt “Impressum”, nicht “Der rechtliche Kram”.
Die Orientierungsebene. Eine kompakte Zweitnavigation zu den wichtigsten Bereichen, Kontaktdaten mit anklickbarer Telefonnummer und E-Mail, gegebenenfalls Adresse und Öffnungszeiten. Für lokale Betriebe ist der Footer der natürliche Ort für die Anschrift auf jeder Seite.
Die optionale Ebene. Newsletter-Anmeldung, Social-Media-Verweise, Zertifikate und Mitgliedschaften, ein kurzer Beschreibungssatz zum Unternehmen. Alles legitim, nichts davon Pflicht, und jede dieser Zutaten muss sich die Fläche verdienen.
Was nicht hineingehört: Keyword-Textblöcke für Suchmaschinen (wirken auf Leser wie auf Google gleichermaßen abgestanden), sitewide-Linklisten auf jede einzelne Unterseite und alles, was oben auf der Seite nicht wichtig genug war und deshalb “wenigstens in den Footer” soll. Der Footer ist keine Resterampe.
Bewährte Strukturen nach Seitengröße
Der Einzeiler. Für Onepager und Kleinstseiten: Copyright, Impressum, Datenschutz in einer Zeile, fertig. Vollkommen ausreichend und besser als ein künstlich aufgeblasener Spaltenbau ohne Inhalt.
Der Zwei-Ebenen-Footer. Für typische Firmenwebsites das robusteste Muster: eine obere Ebene mit zwei bis vier Spalten (Kontakt, wichtigste Seiten, gegebenenfalls Leistungen oder Themen), darunter eine abgesetzte Schlusszeile mit Copyright und Rechtslinks. Die Trennung hält die Pflichtlinks auffindbar, ohne dass sie mit der Navigation konkurrieren.
Der Mega-Footer. Für Shops und große Inhaltsseiten: vier bis sechs Spalten mit Kategorien, Service-Links, Kontaktkanälen und Newsletter. Funktioniert, wenn die Spalten klar betitelt sind und jede Liste kurz bleibt. Zwölf Links pro Spalte liest niemand mehr, dann gehört die Struktur der Website überarbeitet, nicht der Footer verlängert.
Für alle drei gilt dieselbe Layoutregel wie überall: feste Reihenfolge, gleiche Abstände, wenige Kanten. Auf schmalen Bildschirmen stapeln sich die Spalten in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit, Kontakt zuerst. Die Grundlagen dazu stehen in Layout und Raster.
Der Footer als zweite Chance
Nutzer, die bis zum Seitenende gescrollt haben, haben die Seite gelesen oder überflogen und keine Handlung ausgelöst. Genau deshalb gehört ans Ende des Inhalts, unmittelbar über den Footer, die wiederholte primäre Handlungsaufforderung: Der Besucher steht am Ende der Argumentation, und der nächste Schritt sollte dort stehen, wo er gerade ist, nicht nur oben, wo er herkam. Das Prinzip der einen primären Handlung steht in Visuelle Hierarchie.
Im Footer selbst gilt dagegen Zurückhaltung: Er ist Servicebereich, nicht Werbefläche. Eine dezente Kontaktzeile funktioniert dort besser als eine dritte bunte Schaltfläche, die mit der eigentlichen Handlungsaufforderung konkurriert.
Barrierefreiheit im Footer
Der Footer ist ein Navigationsbereich und wird von Hilfsmitteln als solcher angesteuert, wenn er korrekt ausgezeichnet ist: als eigener Seitenbereich, mit Listen für Linkgruppen und Überschriften für Spalten. Drei Punkte scheitern in der Praxis am häufigsten:
Kontrast. Footer werden gern grau auf dunkelgrau oder hellgrau auf weiß gestaltet, um “ruhig” zu wirken. Die Kontrastregeln gelten aber auch hier: 4,5 zu 1 für die Linktexte. Ein Footer, dessen Impressumslink kaum lesbar ist, verfehlt dessen Zweck. Details in Kontraste prüfen.
Erkennbare Links. Wenn im Footer alles die gleiche graue Textfarbe hat, muss erkennbar bleiben, was klickbar ist, per Unterstreichung oder deutlichem Hover- und Fokuszustand.
Tastatur. Wer sich per Tastatur durch die Seite bewegt, durchquert am Ende den Footer. Sichtbarer Fokus und eine nachvollziehbare Reihenfolge gelten bis zur letzten Zeile.
Die häufigsten Footer-Fehler
- Fehlende oder versteckte Pflichtlinks. Impressum hinter einem Untermenü oder nur auf der Startseite verlinkt: rechtlich riskant und für Nutzer ärgerlich.
- Der Resterampen-Footer. Zwanzig unsortierte Links, drei Badges, ein Zähler und ein Zitat. Jedes Element einzeln erklärbar, in Summe unbenutzbar.
- Social-Media-Icons als Sackgasse. Icons zu Profilen, die seit Jahren nicht bespielt werden, verlinken die eigene Verlassenheit.
- Kontrast geopfert für Eleganz. Siehe oben, der häufigste messbare Verstoß im Footer.
- Kein Footer-Konzept für Mobil. Sechs Spalten, die ungeordnet zu einer endlosen Linkwurst stapeln. Die Stapelreihenfolge ist eine Designentscheidung.
- Copyright-Jahr von vorvorletztem Jahr. Kleinigkeit, aber sie datiert die ganze Seite. Das Jahr gehört automatisiert, nicht gepflegt.
- Der Fake-Sitemap-Footer. Jede einzelne Unterseite verlinkt, in der Hoffnung auf Suchmaschinen-Effekte. Verwässert die interne Linkstruktur statt sie zu stärken; welche Seiten sitewide verlinkt werden, ist eine Strukturentscheidung, siehe Interne Verlinkung.
Ein Aufbau, der zuverlässig funktioniert
Für die typische Firmenwebsite mit zehn bis zwanzig Seiten:
- Abschluss des Inhalts: wiederholte primäre Handlung, noch im Inhaltsbereich.
- Footer-Ebene eins, drei Spalten: Kontakt mit Anschrift, Telefon, E-Mail; die fünf bis sieben wichtigsten Seiten; Themen oder Leistungen.
- Footer-Ebene zwei, abgesetzt: Copyright mit automatischem Jahr, Impressum, Datenschutz, gegebenenfalls Barrierefreiheitserklärung.
- Mobil: Spalten stapeln in der Reihenfolge Kontakt, Seiten, Themen, Rechtszeile zuletzt.
Unspektakulär, und genau das ist die Qualität: Ein guter Footer fällt nicht auf, er beantwortet Fragen. Wie der Gegenpart am oberen Seitenrand aufgebaut wird, steht in Website-Navigation.