Systemvergleiche, Hosting-Checks und Anleitungen für die eigene Website. Was eine Website kostet

Systemwahl

Baukasten oder CMS: welches System zu welchem Projekt passt

Die Systemwahl entscheidet über Jahre: über Kosten, über Wechselaufwand und darüber, wie viel man selbst pflegen kann. Hier stehen Baukästen, klassische CMS und statische Systeme nebeneinander.

Zuletzt geprüft: 26.07.2026

Die Systemwahl ist die teuerste Entscheidung eines Webprojekts, weil sie am längsten wirkt. Ein Design lässt sich überarbeiten, ein Text neu schreiben, ein Hoster wechseln. Das System entscheidet darüber, wer die Seite pflegen kann, was sie im Monat kostet und wie schmerzhaft der nächste Umzug wird.

Die Marketingfrage “welches ist das beste System” hat keine Antwort. Die brauchbare Frage lautet: welches System passt zu diesem Projekt, dieser Pflegekapazität und diesem Zeithorizont?

Die vier Systemfamilien

Baukästen (Website-Builder) liefern Hosting, Vorlagen, Editor, SSL und Updates in einem Abo. Man arbeitet visuell im Browser, kommt in Stunden zu einem Ergebnis und muss sich um Technik nie kümmern. Der Preis ist Gestaltungsgrenze und Lock-in: Was der Anbieter nicht vorsieht, geht nicht, und mitnehmen kann man später fast nichts.

Klassische CMS wie WordPress, Joomla oder TYPO3 trennen Inhalte, Vorlagen und Funktionen. Man betreibt sie auf eigenem Hosting, hat sehr viel Freiheit und trägt dafür die Verantwortung für Updates, Backups und Sicherheit. Die Inhalte liegen in einer Datenbank und lassen sich exportieren.

Statische Generatoren wie Astro, Hugo oder Eleventy erzeugen aus Inhaltsdateien und Vorlagen fertiges HTML. Es gibt keine Datenbank und zur Laufzeit keinen Code, der angegriffen werden könnte. Das Ergebnis ist extrem schnell und praktisch kostenlos zu hosten. Die Hürde liegt in der Redaktion: Wer Inhalte pflegen soll, braucht entweder technisches Verständnis oder ein zusätzliches Redaktionssystem.

Headless-CMS setzen genau das obendrauf: eine komfortable Redaktionsoberfläche, die Inhalte per Schnittstelle an einen beliebigen Frontend-Build liefert. Damit lässt sich die Geschwindigkeit eines statischen Builds mit einer bedienbaren Redaktion verbinden, zum Preis von zwei Systemen statt einem.

Entscheidungsmatrix

AnforderungBaukastenKlassisches CMSStatischHeadless
Live in Tagenjabedingtbedingtnein
Ohne Technikwissen pflegbarjajaneinja
Sehr schnelle Ladezeitbedingtmit Arbeitvon Haus ausvon Haus aus
Wartungsaufwandkeinerdauerhaftminimalgering
Gestaltungsfreiheitbegrenzthochvollständigvollständig
Umzug später möglichkaumjajaja
Sinnvoll ab1 Seite10 Seiten5 Seiten50 Seiten
Laufende Kosten10 bis 30 Euro5 bis 25 Euro0 bis 10 Euro0 bis 100 Euro

Die Zeile “sinnvoll ab” ist keine Grenze, sondern ein Hinweis auf das Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Ein CMS für drei Seiten bedeutet, ein Wartungsproblem für einen Nutzen einzukaufen, den es nicht gibt.

Die Fragen, die die Wahl tatsächlich entscheiden

Wer pflegt die Seite, und wie oft? Bei “ich selbst, zweimal im Jahr” gewinnt der Baukasten fast immer. Bei “eine Kollegin, jede Woche” braucht es eine Redaktionsoberfläche. Bei “niemand, die Inhalte sind stabil” ist ein statischer Build die wartungsärmste Lösung.

Wie viele Inhalte werden es? Bis rund zehn Seiten ist jedes System handhabbar. Ab etwa fünfzig Seiten entscheidet die Frage, wie gut sich Inhalte strukturieren, kategorisieren und wiederverwenden lassen, und da verlieren Baukästen deutlich.

Braucht es Funktionen über Inhalte hinaus? Buchung, Shop, Mitgliederbereich, Mehrsprachigkeit, Formulare mit Logik. Jede dieser Anforderungen verschiebt die Wahl. Mehrsprachigkeit ist bei Baukästen oft aufpreispflichtig und schlecht gelöst.

Wie lange soll die Seite halten? Wer in zwei Jahren neu bauen will, kann bewusst in den Lock-in gehen. Wer fünf bis zehn Jahre plant, sollte auf Exportierbarkeit achten.

Wie hoch ist die Toleranz für Wartung? Ein WordPress ohne Updates ist nach zwölf Monaten ein Sicherheitsrisiko. Wer weiß, dass er sich nicht kümmern wird, sollte kein System wählen, das Kümmern verlangt.

Wo der Lock-in am meisten kostet

Der Lock-in wird selten beim Aufbau bemerkt, sondern beim Verlassen. Konkret betroffen sind:

  • Inhalte. Fehlt ein vollständiger Export, muss jede Seite manuell übertragen werden.
  • URL-Struktur. Ändern sich beim Umzug alle Adressen, gehen Rankings verloren, sofern nicht jede alte Adresse per Weiterleitung auf ihr neues Ziel zeigt.
  • Formulardaten und Anfragen. Liegen im System des Anbieters, oft ohne brauchbaren Export.
  • Bilder. Häufig in anbietereigenen Größen und Formaten, die außerhalb nicht funktionieren.
  • Domain. Wurde die Domain über den Baukasten registriert, ist der Transfer ein eigener Vorgang.

Die praktische Konsequenz: Domain immer separat registrieren, Texte und Originalbilder immer zusätzlich außerhalb des Systems ablegen. Das kostet nichts und macht jeden späteren Wechsel um ein Vielfaches billiger. Details in System wechseln.

Realistische Empfehlungen nach Ausgangslage

Handwerksbetrieb, fünf Seiten, Anfragen per Telefon: Baukasten. Alles andere ist Aufwand ohne Gegenwert.

Ferienwohnung mit Verfügbarkeitsanzeige: Baukasten mit Buchungsanbindung oder ein spezialisiertes Buchungssystem. Ein selbstgebautes CMS mit Buchungs-Plugin ist der schlechteste der drei Wege.

Praxis oder Beratung mit Fachbeiträgen: klassisches CMS, weil regelmäßige Inhalte der Zweck sind und die Redaktion bedienbar sein muss.

Kleiner Verein, wechselnde Ehrenamtliche: Baukasten. Übergaben scheitern an Systemen, die Wissen verlangen.

Portal mit vielen Unterseiten und stabilen Inhalten: statischer Build, bei mehreren Redakteuren mit Headless-CMS davor.

Shop: eigene Frage, siehe Onlineshop. Ein Shop-Plugin auf einem CMS ist eine andere Entscheidung als eine Shop-Plattform.

Baukästen im direkten Vergleich

Die Systemwahl entscheidet über Jahre, nicht über Wochen. Entscheidend ist deshalb weniger der Editor als die Frage, was passiert, wenn das Projekt in drei Jahren woanders hin soll.

  1. Platz 1: Wix

    Marktführer

    Passt für: Wer maximale gestalterische Freiheit ohne Code will

    Freier Editor, riesiger App-Markt, alles aus einer Hand. Der Lock-in ist allerdings der härteste im Feld: Vorlagenwechsel unmöglich, Inhaltsexport nur rudimentär. Wer das akzeptiert, bekommt das umfangreichste System.

    ab ca. 13 €/Monat Zu Wix
  2. Platz 2: Jimdo

    Einfachster Einstieg

    Passt für: Einzelunternehmen und kleine Betriebe ohne Technikaffinität

    Deutscher Anbieter aus Hamburg, der geführte Modus baut aus wenigen Antworten eine fertige Seite. Genau deshalb stößt man auch schnell an Grenzen, sobald individuelle Layouts gefragt sind.

    ab ca. 9 €/Monat Zu Jimdo
  3. Platz 3: IONOS MyWebsite

    Bestes Paket

    Passt für: Wer Domain, Postfach und Seite in einer Rechnung will

    Weniger Designfreiheit als Wix, dafür das rundere Gesamtpaket samt Rechtstexten und Telefon-Support. Für Betriebsseiten mit klarem Zweck ist das häufig die pragmatischere Antwort.

    ab ca. 1 €/Monat im Einstiegsjahr Zu IONOS MyWebsite
  4. Platz 4: Squarespace

    Designqualität

    Passt für: Kreative Berufe, Gastronomie, Veranstaltungsorte

    Vorlagen auf Agenturniveau und ein Redaktionssystem, das Bilder ernst nimmt. Rechnet sich, wenn das Aussehen ein Verkaufsargument ist, und lohnt sonst kaum.

    ab ca. 16 €/Monat Zu Squarespace
  5. Platz 5: Webflow

    Für Profis

    Passt für: Designer und Entwicklerinnen mit Layout-Anspruch

    Kein Baukasten im üblichen Sinn, sondern eine visuelle Oberfläche über HTML und CSS. Extrem sauberer Code, aber eine Lernkurve, die für Selbstbauer ohne Vorkenntnisse zu steil ist.

    ab ca. 14 $/Monat Zu Webflow

Wie diese Liste zustande kommt

Sortiert wird nach dem Anwendungsfall, den der Bereich Baukasten & CMS behandelt, nicht nach Vergütung. Einzelne Ziele sind Partnerlinks: wird darüber ein Vertrag geschlossen, fließt eine Provision. Für Sie ändert sich der Preis dadurch nicht, und die Reihenfolge ändert sich dadurch auch nicht – auf mehreren Plätzen stehen Anbieter ohne Partnerprogramm. Preisangaben Stand 28.07.2026, ohne Gewähr. Maßgeblich ist immer der Preis beim Anbieter.

Alle Ratgeber in diesem Bereich

Häufige Fragen

Ist WordPress noch die richtige Wahl?

Für inhaltsgetriebene Seiten mit regelmäßigen Beiträgen und mehreren Redakteuren ja. Für eine fünfseitige Visitenkarten-Website ist es überdimensioniert, weil Updates, Sicherheit und Plugin-Pflege dauerhaft Aufwand bedeuten, dem kein Nutzen gegenübersteht.

Was bedeutet Lock-in konkret?

Dass Inhalte, Design und Struktur im System hängen und nicht mitgenommen werden können. Baukästen erlauben in der Regel keinen vollständigen Export, sodass ein Wechsel bedeutet, die Seite neu aufzubauen. Bei einem CMS liegen die Inhalte in einer Datenbank oder in Dateien und lassen sich migrieren.

Sind statische Websites nicht veraltet?

Im Gegenteil. Moderne Generatoren bauen aus Inhalten und Vorlagen fertige HTML-Dateien, die ohne Datenbank ausgeliefert werden. Das ergibt sehr schnelle, sehr sichere und sehr günstige Seiten. Der Preis ist, dass Redakteure ohne technische Oberfläche arbeiten, sofern kein Headless-CMS davor gesetzt wird.

Wie oft sollte man das System wechseln?

So selten wie möglich. Ein Systemwechsel kostet Geld, Zeit und in aller Regel Sichtbarkeit. Wer alle drei Jahre wechselt, investiert dauerhaft in Umzüge statt in Inhalte. Die Systemwahl sollte deshalb für fünf Jahre gedacht sein.

Einige Links auf diesem Portal sind Empfehlungslinks. Wird darüber ein Vertrag geschlossen, erhält IDA Webdesign unter Umständen eine Vergütung. Für Sie ändert sich am Preis nichts, und die Bewertung eines Anbieters hängt nicht davon ab. Inhalte zu Recht und Datenschutz sind allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung.