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Barrierefreiheit

Barrierefreiheit testen: der Ablauf in zwei Stunden

Ein praktikabler Prüfablauf für Barrierefreiheit: welche Werkzeuge was finden, welche Prüfungen von Hand nötig sind und wie man Befunde priorisiert und dokumentiert.

Zuletzt geprüft: 26.07.2026 Lesezeit ca. 3 Minuten

Barrierefreiheit lässt sich zum größten Teil selbst prüfen, ohne Budget und ohne Spezialwissen. Der folgende Ablauf braucht etwa zwei Stunden für eine kleine Website und findet den überwiegenden Teil der auffindbaren Verstöße.

Was welches Werkzeug findet

PrüfungFindetFindet nicht
Automatisiertes Werkzeugfehlende Alternativtexte und Beschriftungen, Kontrast auf einfarbigem Grund, StrukturfehlerSinnhaftigkeit von Texten, Tabreihenfolge, Bedienbarkeit
TastaturtestFokusprobleme, unbedienbare Elemente, FokusfallenKontrast, Alternativtexte
Zoomtestabgeschnittene Inhalte, Überläufealles andere
Screenreaderunsinnige Vorlesereihenfolge, fehlende AnkündigungenKontrast
Kontrastprüferkonkrete Werte an ZweifelsstellenStruktur
Blick auf ein echtes GerätPraxisprobleme bei Licht und TouchStruktur

Kein Werkzeug allein genügt. Die Kombination aus automatisiertem Test, Tastaturtest und Zoomtest deckt den größten Teil ab.

Der Ablauf

Schritt 1: Seitenauswahl, 10 Minuten

Nicht die ganze Website, sondern jeden Seitentyp einmal: Startseite, eine Übersichtsseite, eine Detailseite, eine Formularseite, gegebenenfalls Kasse oder Buchung. Fünf bis acht Seiten decken die Vorlagen ab, und Fehler in einer Vorlage betreffen alle Seiten, die sie nutzen.

Schritt 2: Automatisierter Test, 20 Minuten

Ein Prüfwerkzeug als Browser-Erweiterung über jede ausgewählte Seite laufen lassen. Die Befunde in eine Liste übernehmen, mit Seite, Element und Kriterium.

Die typischen Funde: fehlende Alternativtexte, Formularfelder ohne Beschriftung, Kontrastverletzungen, Überschriftenebenen mit Sprüngen, doppelte Kennungen, Links ohne erkennbaren Text.

Schritt 3: Tastaturtest, 30 Minuten

Maus weglegen und jede ausgewählte Seite durchtabben. Die Details stehen in Tastaturbedienung. Kurzfassung:

  • Ist der Fokus überall sichtbar?
  • Ist die Reihenfolge nachvollziehbar?
  • Erscheint die Sprungmarke?
  • Öffnet und schließt das Menü, und wo landet der Fokus danach?
  • Lässt sich das Formular vollständig ausfüllen und absenden?
  • Kommen unsichtbare fokussierbare Elemente vor?

Schritt 4: Zoom und schmale Darstellung, 15 Minuten

Auf 200 Prozent vergrößern: Bleibt alles lesbar und erreichbar? Wird Text abgeschnitten?

Dann das Browserfenster auf 320 Pixel Breite ziehen: Entsteht horizontales Scrollen für die ganze Seite? Wenn ja, ist die Ursache meist ein einzelnes Element, oft eine Tabelle oder ein Codeblock.

Schritt 5: Kontrast an Zweifelsstellen, 20 Minuten

Die Stellen prüfen, die das automatisierte Werkzeug nicht erfasst: Text auf Bildern, Text auf Farbverläufen, Zustände beim Überfahren und bei Fokus, Fehlermeldungen, Inhalte in Überlagerungen, Diagramme. Details in Kontraste prüfen.

Schritt 6: Screenreader, 20 Minuten

Startseite und Formularseite vorlesen lassen. Worauf zu achten ist:

  • Ergibt die Reihenfolge Sinn?
  • Sind Alternativtexte informativ oder nur Dateinamen?
  • Werden Formularfelder mit ihrer Beschriftung angekündigt?
  • Wird die Erfolgsmeldung nach dem Absenden angekündigt?
  • Sind Überschriften als Struktur nutzbar, wenn man sie einzeln ansteuert?
  • Sagen Linktexte, wohin sie führen?

Dieser Schritt liefert die meisten Erkenntnisse und wird am seltensten gemacht.

Schritt 7: Echtes Gerät, 15 Minuten

Die Seite auf einem Telefon bei Tageslicht draußen bedienen. Kontrast, Klickflächen und Ladezeit zeigen sich dort ungefiltert.

Befunde priorisieren

Nicht alles gleichzeitig. Eine sinnvolle Reihenfolge nach Wirkung:

  1. Fokus nicht sichtbar. Macht die Seite für eine ganze Nutzergruppe unbenutzbar.
  2. Formularfelder ohne Beschriftung. Betrifft die Stelle, an der Geschäft passiert.
  3. Kontrast im Fließtext. Betrifft jede Seite und viele Nutzer.
  4. Fehlende Alternativtexte bei informativen Bildern.
  5. Überschriftenstruktur.
  6. Unbedienbare Menüs und Dialoge.
  7. Alles Übrige.

Die Punkte 1 bis 3 sind meist an einem Tag zu beheben und decken den größten Teil der praktischen Auswirkung ab.

Dokumentieren

Zwei Dokumente lohnen sich:

Ein Prüfprotokoll mit Datum, geprüften Seiten, verwendeten Werkzeugen, Befunden und Status. Es ist die Grundlage für die Erklärung und für die nächste Prüfung.

Eine Erklärung zur Barrierefreiheit als eigene, auffindbare Seite mit: Stand der Konformität, Prüfverfahren und Datum, bekannte Einschränkungen mit Begründung und geplanter Behebung, sowie eine Kontaktmöglichkeit für Rückmeldungen.

Wichtig: Die Erklärung entsteht nach der Umsetzung, nicht davor. Eine Erklärung, die Konformität behauptet, während offensichtliche Verstöße bestehen, ist ein zusätzlicher Mangel. Die Pflichtenlage steht in BFSG-Pflichten.

Häufige Fragen

Wie viel findet ein automatisiertes Werkzeug?

Erfahrungsgemäß etwa ein Drittel der tatsächlichen Verstöße. Es findet zuverlässig, was maschinell prüfbar ist: fehlende Alternativtexte, fehlende Beschriftungen, Kontrast bei einfarbigen Hintergründen, Strukturfehler. Es findet nicht, ob ein Alternativtext sinnvoll ist.

Braucht man einen Screenreader zum Testen?

Nicht zwingend, aber er liefert die meisten Erkenntnisse. Auf beiden gängigen Systemen ist einer eingebaut. Für eine erste Prüfung genügt, sich die Startseite und eine Formularseite vorlesen zu lassen.

Wie oft sollte man prüfen?

Nach jedem größeren Update, nach jedem neuen Plugin oder eingebetteten Fremddienst und mindestens halbjährlich. Barrierefreiheit ist ein Zustand, der bei jeder Änderung verloren gehen kann.

Was gehört in eine Erklärung zur Barrierefreiheit?

Der Stand der Konformität, das Prüfverfahren und Prüfdatum, bekannte Einschränkungen mit Begründung und geplanter Behebung, sowie eine Kontaktmöglichkeit für Rückmeldungen. Eine Erklärung, die Konformität behauptet, die nicht besteht, ist ein eigener Mangel.

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