WordPress ist das verbreitetste Content-Management-System und deshalb die Standardantwort auf fast jede Website-Frage. Das ist manchmal richtig und manchmal ein Reflex. Dieser Bereich behandelt beides: wie man WordPress vernünftig aufsetzt und betreibt, und wann ein anderes System die bessere Wahl ist.
Wofür WordPress stark ist
Inhalte in Menge. Sobald regelmäßig Beiträge, Kategorien, Autoren und Archive im Spiel sind, spielt WordPress seine Stärke aus. Genau dafür wurde es gebaut.
Redaktion durch mehrere Personen. Rollen und Rechte, Entwürfe, Vorschau, Revisionen. Wer mit einem Team arbeitet, findet das hier fertig vor.
Ökosystem. Für nahezu jede Anforderung existiert eine Erweiterung, und für jedes Problem existiert eine dokumentierte Lösung. Das senkt den Aufwand deutlich.
Keine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Die Software ist frei, die Inhalte liegen in einer Datenbank, ein Umzug zu einem anderen Hoster ist Routine.
Wofür WordPress schwach ist
Kleine, stabile Seiten. Eine fünfseitige Visitenkarten-Website erzeugt bei WordPress dauerhaften Wartungsaufwand für einen Nutzen, den es nicht gibt. Hier ist ein Baukasten oder ein statischer Build klar überlegen.
Geschwindigkeit ohne Arbeit. WordPress ist nicht langsam, aber es wird bei jedem Aufruf serverseitig zusammengebaut. Gute Werte entstehen durch Caching, Bildoptimierung und Zurückhaltung bei Skripten, nicht von selbst. Siehe WordPress-Performance.
Wartungsfreiheit. Kern, Themes und Plugins wollen regelmäßig aktualisiert werden. Wer das nicht leisten will, sollte Managed Hosting nehmen oder das System wechseln.
Sehr eigene Layouts ohne Pagebuilder. Ohne Werkzeug oder Entwicklung stößt man in der Gestaltung an Grenzen des Themes.
Die vier Entscheidungen beim Aufsetzen
1. Hosting. Shared Hosting mit aktueller PHP-Version genügt für die meisten Projekte. Managed WordPress kostet mehr und nimmt Updates, Backups und Caching ab, was sich rechnet, sobald die Seite geschäftskritisch ist. Siehe Hosting.
2. Theme. Die weitreichendste Entscheidung, weil ein Themewechsel später faktisch ein Relaunch ist. Kriterien: aktive Weiterentwicklung, Zahl der aktiven Installationen, Ladeverhalten ohne Demo-Inhalte, saubere Überschriftenstruktur, Barrierefreiheit. Siehe Theme auswählen.
3. Editor oder Pagebuilder. Der Block-Editor reicht für Standardseiten und erzeugt schlankeren Code. Ein Pagebuilder lohnt bei vielen individuell gestalteten Seiten, bindet die Inhalte aber an sein eigenes Format. Siehe Pagebuilder-Vergleich.
4. Plugin-Set. Weniger ist mehr. Ein Backup-Plugin, ein Caching-Plugin sofern der Hoster keines mitbringt, ein SEO-Plugin, ein Formular-Plugin, gegebenenfalls ein Consent-Werkzeug. Das ist für die meisten Seiten der vollständige Bedarf. Siehe WordPress-Plugins.
Betrieb: das monatliche Minimum
Eine WordPress-Seite ist nicht fertig, wenn sie live ist. Der laufende Aufwand ist gering, aber nicht null:
- Kern-, Theme- und Plugin-Updates einspielen, vorher Backup prüfen
- Nach dem Update Startseite, eine Unterseite und das Formular testen
- Verwaiste Plugins ersetzen, die seit über einem Jahr kein Update haben
- Benutzerkonten durchsehen und nicht mehr benötigte entfernen
- Formularmeldungen prüfen, ob sie tatsächlich ankommen
Der letzte Punkt ist der häufigste stille Fehler: Ein Kontaktformular, das nach einem Server- oder Plugin-Update keine Mails mehr versendet, fällt niemandem auf, weil es keine Fehlermeldung gibt. Es kommen einfach keine Anfragen mehr. Details in WordPress-Sicherheit.
Wann ein anderer Weg besser ist
Ein Wechsel oder ein anderer Start ist zu erwägen, wenn:
- die Seite unter zehn Unterseiten hat und sich selten ändert
- niemand im Haus für Updates zuständig ist
- die Ladezeit trotz Caching und Bildoptimierung schlecht bleibt, weil Theme und Builder zu viel mitbringen
- die Inhalte stark strukturiert sind und ein statischer Build sie sauberer abbilden würde
- die Anforderung eigentlich ein Shop mit Warenwirtschaft ist, nicht eine Website mit Shop-Funktion
Die Alternativen und ihr jeweiliger Preis stehen in WordPress-Alternativen sowie im Überblick unter Baukasten und CMS.