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WordPress

WordPress-Theme auswählen: die Entscheidung mit der längsten Wirkung

Ein Themewechsel ist später faktisch ein Relaunch. Die Kriterien, an denen sich ein tragfähiges Theme erkennen lässt, und die Prüfschritte vor der Entscheidung.

Zuletzt geprüft: 26.07.2026 Lesezeit ca. 3 Minuten

Die Theme-Entscheidung ist bei WordPress die weitreichendste, weil sie am schwersten rückgängig zu machen ist. Ein Hoster lässt sich wechseln, ein Plugin ersetzen, ein Text neu schreiben. Ein Themewechsel bedeutet in der Praxis, die Seite neu aufzubauen.

Die sechs Kriterien

1. Pflegehäufigkeit und Alter des letzten Updates

Das wichtigste Einzelkriterium. Ein Theme ohne Update in den letzten zwölf Monaten ist ein Risiko: Es wird bei einer kommenden WordPress-Version brechen, und niemand wird es reparieren. Im offiziellen Verzeichnis steht das Datum des letzten Updates direkt auf der Detailseite, bei kommerziellen Anbietern im Änderungsprotokoll.

2. Verbreitung

Viele aktive Installationen bedeuten, dass Fehler gefunden und behoben werden, dass Dokumentation existiert und dass sich im Zweifel jemand findet, der damit arbeiten kann. Ein Theme mit dreihundert Installationen kann exzellent sein, ist aber ein Einzelfallrisiko.

3. Ladeverhalten ohne Demo-Inhalte

Der aussagekräftigste Test: Theme installieren, eine leere Seite mit einer Überschrift und einem Absatz anlegen, Ladezeit und übertragene Datenmenge messen. Ein schlankes Theme liegt unter 150 Kilobyte für CSS und JavaScript zusammen. Ein Theme, das hier bereits 800 Kilobyte lädt, wird durch Optimierung nicht schnell. Siehe WordPress-Performance.

Die Demo-Seiten der Anbieter sind für diesen Test unbrauchbar, weil sie auf leistungsstarken Servern mit vollständig eingerichtetem Caching laufen.

4. Struktur des Markups

Prüfbar mit den Entwicklerwerkzeugen des Browsers: Gibt es genau eine H1 pro Seite? Folgen die Überschriftenebenen der Gliederung, oder springt es von H2 auf H4? Sind Navigationsbereiche als solche ausgezeichnet? Sind Schaltflächen echte Schaltflächen?

Diese Punkte lassen sich nachträglich nur mit Eingriffen in das Theme reparieren, also mit einem Child-Theme und dauerhaftem Pflegeaufwand.

5. Barrierefreiheit

Seit dem BFSG kein Komfortmerkmal mehr, sondern für viele Betreiber Pflicht. In der Demo prüfbar: Kontraste im Standardfarbschema, sichtbare Fokusmarkierung beim Durchtabben, Menü ohne Maus bedienbar, Formularfelder mit echten Beschriftungen.

Themes im offiziellen Verzeichnis können mit dem Schlagwort für Barrierefreiheit ausgezeichnet sein. Das ist ein brauchbarer Filter, aber keine Garantie. Siehe BFSG-Pflichten.

6. Abhängigkeit von Theme-eigenen Elementen

Der entscheidende Punkt für den späteren Wechsel. Themes, die eigene Shortcodes, eigene Seitenelemente oder einen eigenen Pagebuilder mitbringen, binden die Inhalte an sich. Wird das Theme entfernt, bleiben leere Platzhalter oder Textfragmente zurück.

Themes, die mit dem eingebauten Block-Editor arbeiten und nur gestalten statt Funktionen mitzubringen, lassen sich deutlich leichter verlassen.

Prüfliste vor der Entscheidung

  1. Letztes Update jünger als sechs Monate
  2. Aktive Installationen im vierstelligen Bereich oder höher
  3. Leere Seite lädt unter 200 Kilobyte CSS und JavaScript
  4. Genau eine H1, Überschriftenebenen ohne Sprünge
  5. Kontraste im Standardschema mindestens 4,5 zu 1
  6. Fokus beim Durchtabben sichtbar, Menü ohne Maus bedienbar
  7. Inhalte werden im Block-Editor gepflegt, nicht in Theme-Shortcodes
  8. Änderungsprotokoll vorhanden und gepflegt
  9. Bei kommerziellen Themes: Lizenzmodell geklärt, also einmalig oder jährlich
  10. Dokumentation vorhanden und aktuell

Wer die Punkte 1 bis 3 und 7 erfüllt, hat die vier wichtigsten. Punkte 5 und 6 sind bei betroffenen Anbietern nicht optional.

Die drei Theme-Typen

Reine Gestaltungs-Themes. Sie liefern Layout und Typografie und überlassen Inhalte dem Block-Editor. Schnell, schlank, gut verlassbar. Die richtige Wahl für die meisten Standardprojekte.

Multipurpose-Themes mit eigenem Builder. Sie bringen dutzende Demo-Layouts, eigene Seitenelemente und einen eigenen Baukasten mit. Große Gestaltungsfreiheit, deutlich mehr Ladegewicht und starke Bindung. Sinnvoll, wenn viele individuell aufgebaute Seiten entstehen und die Bindung akzeptiert wird. Siehe Pagebuilder-Vergleich.

Block-Themes. Sie nutzen die vollständige Site-Bearbeitung von WordPress, also auch Kopf- und Fußbereich im Block-Editor. Der Weg, in den sich WordPress entwickelt, mit dem Vorteil, dass Gestaltung ohne Fremdwerkzeug erfolgt und ohne Fremdformat gespeichert wird.

Wie man ein Theme testet, ohne die Live-Seite anzufassen

Nie auf der laufenden Seite ausprobieren. Der übliche Weg: eine Testinstallation aufsetzen, entweder als Unterverzeichnis mit Passwortschutz oder lokal auf dem eigenen Rechner. Dort das Theme installieren, drei echte Seiten mit echten Inhalten anlegen, dann messen und prüfen.

Wichtig ist der Punkt “echte Inhalte”. Ein Theme, das mit dem mitgelieferten Demo-Text und dem mitgelieferten Demo-Bild gut aussieht, kann bei einem langen deutschen Kompositum in der Überschrift und einem hochformatigen Foto auseinanderfallen. Deutsche Texte sind im Schnitt länger als englische, und die meisten Themes werden mit englischen Demo-Inhalten entworfen.

Häufige Fragen

Kostenloses oder kostenpflichtiges Theme?

Ein gut gepflegtes kostenloses Theme aus dem offiziellen Verzeichnis ist einem schlecht gepflegten Premium-Theme vorzuziehen. Premium lohnt bei bestimmten Layoutanforderungen und wenn Support benötigt wird. Entscheidend ist in beiden Fällen die Pflegehäufigkeit, nicht der Preis.

Kann man das Theme später wechseln?

Technisch ja, praktisch ist es ein Relaunch. Inhalte bleiben in der Datenbank, aber alles, was mit Theme-eigenen Elementen gebaut wurde, muss neu aufgebaut werden. Bei einem Theme mit eigenem Pagebuilder betrifft das jede Seite.

Was ist ein Child-Theme, und brauche ich eines?

Ein Child-Theme erbt vom Haupttheme und nimmt eigene Anpassungen auf, die dadurch updatesicher sind. Es ist immer dann nötig, wenn Dateien des Themes geändert werden. Für rein gestalterische Anpassungen über die Einstellungen genügt oft der eingebaute Bereich für zusätzliches CSS.

Woran erkennt man ein aufgeblähtes Theme?

An der Ladezeit einer leeren Seite. Wenn eine Seite mit einer Überschrift und einem Absatz bereits mehrere hundert Kilobyte CSS und JavaScript lädt, bringt das Theme Funktionen mit, die nie gebraucht werden, aber immer geladen werden.

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