Die Theme-Entscheidung ist bei WordPress die weitreichendste, weil sie am schwersten rückgängig zu machen ist. Ein Hoster lässt sich wechseln, ein Plugin ersetzen, ein Text neu schreiben. Ein Themewechsel bedeutet in der Praxis, die Seite neu aufzubauen.
Die sechs Kriterien
1. Pflegehäufigkeit und Alter des letzten Updates
Das wichtigste Einzelkriterium. Ein Theme ohne Update in den letzten zwölf Monaten ist ein Risiko: Es wird bei einer kommenden WordPress-Version brechen, und niemand wird es reparieren. Im offiziellen Verzeichnis steht das Datum des letzten Updates direkt auf der Detailseite, bei kommerziellen Anbietern im Änderungsprotokoll.
2. Verbreitung
Viele aktive Installationen bedeuten, dass Fehler gefunden und behoben werden, dass Dokumentation existiert und dass sich im Zweifel jemand findet, der damit arbeiten kann. Ein Theme mit dreihundert Installationen kann exzellent sein, ist aber ein Einzelfallrisiko.
3. Ladeverhalten ohne Demo-Inhalte
Der aussagekräftigste Test: Theme installieren, eine leere Seite mit einer Überschrift und einem Absatz anlegen, Ladezeit und übertragene Datenmenge messen. Ein schlankes Theme liegt unter 150 Kilobyte für CSS und JavaScript zusammen. Ein Theme, das hier bereits 800 Kilobyte lädt, wird durch Optimierung nicht schnell. Siehe WordPress-Performance.
Die Demo-Seiten der Anbieter sind für diesen Test unbrauchbar, weil sie auf leistungsstarken Servern mit vollständig eingerichtetem Caching laufen.
4. Struktur des Markups
Prüfbar mit den Entwicklerwerkzeugen des Browsers: Gibt es genau eine H1 pro Seite? Folgen die Überschriftenebenen der Gliederung, oder springt es von H2 auf H4? Sind Navigationsbereiche als solche ausgezeichnet? Sind Schaltflächen echte Schaltflächen?
Diese Punkte lassen sich nachträglich nur mit Eingriffen in das Theme reparieren, also mit einem Child-Theme und dauerhaftem Pflegeaufwand.
5. Barrierefreiheit
Seit dem BFSG kein Komfortmerkmal mehr, sondern für viele Betreiber Pflicht. In der Demo prüfbar: Kontraste im Standardfarbschema, sichtbare Fokusmarkierung beim Durchtabben, Menü ohne Maus bedienbar, Formularfelder mit echten Beschriftungen.
Themes im offiziellen Verzeichnis können mit dem Schlagwort für Barrierefreiheit ausgezeichnet sein. Das ist ein brauchbarer Filter, aber keine Garantie. Siehe BFSG-Pflichten.
6. Abhängigkeit von Theme-eigenen Elementen
Der entscheidende Punkt für den späteren Wechsel. Themes, die eigene Shortcodes, eigene Seitenelemente oder einen eigenen Pagebuilder mitbringen, binden die Inhalte an sich. Wird das Theme entfernt, bleiben leere Platzhalter oder Textfragmente zurück.
Themes, die mit dem eingebauten Block-Editor arbeiten und nur gestalten statt Funktionen mitzubringen, lassen sich deutlich leichter verlassen.
Prüfliste vor der Entscheidung
- Letztes Update jünger als sechs Monate
- Aktive Installationen im vierstelligen Bereich oder höher
- Leere Seite lädt unter 200 Kilobyte CSS und JavaScript
- Genau eine H1, Überschriftenebenen ohne Sprünge
- Kontraste im Standardschema mindestens 4,5 zu 1
- Fokus beim Durchtabben sichtbar, Menü ohne Maus bedienbar
- Inhalte werden im Block-Editor gepflegt, nicht in Theme-Shortcodes
- Änderungsprotokoll vorhanden und gepflegt
- Bei kommerziellen Themes: Lizenzmodell geklärt, also einmalig oder jährlich
- Dokumentation vorhanden und aktuell
Wer die Punkte 1 bis 3 und 7 erfüllt, hat die vier wichtigsten. Punkte 5 und 6 sind bei betroffenen Anbietern nicht optional.
Die drei Theme-Typen
Reine Gestaltungs-Themes. Sie liefern Layout und Typografie und überlassen Inhalte dem Block-Editor. Schnell, schlank, gut verlassbar. Die richtige Wahl für die meisten Standardprojekte.
Multipurpose-Themes mit eigenem Builder. Sie bringen dutzende Demo-Layouts, eigene Seitenelemente und einen eigenen Baukasten mit. Große Gestaltungsfreiheit, deutlich mehr Ladegewicht und starke Bindung. Sinnvoll, wenn viele individuell aufgebaute Seiten entstehen und die Bindung akzeptiert wird. Siehe Pagebuilder-Vergleich.
Block-Themes. Sie nutzen die vollständige Site-Bearbeitung von WordPress, also auch Kopf- und Fußbereich im Block-Editor. Der Weg, in den sich WordPress entwickelt, mit dem Vorteil, dass Gestaltung ohne Fremdwerkzeug erfolgt und ohne Fremdformat gespeichert wird.
Wie man ein Theme testet, ohne die Live-Seite anzufassen
Nie auf der laufenden Seite ausprobieren. Der übliche Weg: eine Testinstallation aufsetzen, entweder als Unterverzeichnis mit Passwortschutz oder lokal auf dem eigenen Rechner. Dort das Theme installieren, drei echte Seiten mit echten Inhalten anlegen, dann messen und prüfen.
Wichtig ist der Punkt “echte Inhalte”. Ein Theme, das mit dem mitgelieferten Demo-Text und dem mitgelieferten Demo-Bild gut aussieht, kann bei einem langen deutschen Kompositum in der Überschrift und einem hochformatigen Foto auseinanderfallen. Deutsche Texte sind im Schnitt länger als englische, und die meisten Themes werden mit englischen Demo-Inhalten entworfen.