Die Plugin-Liste einer gewachsenen WordPress-Seite hat einen typischen Verlauf: Bei Bedarf kommt eines hinzu, entfernt wird selten etwas. Nach drei Jahren stehen dreißig Erweiterungen darin, von denen ein Drittel keine Aufgabe mehr erfüllt.
Diese Seite beschreibt, welche Kategorien tatsächlich gebraucht werden und wie man ein Plugin vor der Installation bewertet.
Das sinnvolle Minimum
Für eine normale Firmen- oder Beratungsseite decken fünf Kategorien den Bedarf:
1. Backup. Automatisch, auf einen Speicherort außerhalb des Servers, mit einer Wiederherstellung, die man selbst auslösen kann. Wenn der Hoster das mit Selbstbedienung anbietet, ist kein Plugin nötig.
2. Caching. Bei einem CMS die wirksamste Einzelmaßnahme für die Ladezeit, weil die Seite nicht bei jedem Aufruf neu zusammengebaut wird. Entfällt, wenn der Hoster serverseitig zwischenspeichert, was bei Managed WordPress üblich ist.
3. Formulare. Für Kontakt und Anfragen. Kriterien: Versand nachvollziehbar, Spamschutz ohne fremde Dienste, korrekte Feldbeschriftungen für Hilfsmittel, Datenschutzhinweis integrierbar.
4. Sichtbarkeit. Titel und Beschreibung je Seite, Sitemap, Weiterleitungen, kanonische Adressen, strukturierte Daten. Ein Plugin genügt, zwei parallel erzeugen widersprüchliche Angaben.
5. Bildoptimierung. Automatische Umwandlung in moderne Formate und Kompression beim Hochladen. Ersetzt nicht die vorherige Verkleinerung auf die benötigte Pixelbreite. Siehe Bilder optimieren.
Je nach Projekt kommen hinzu: ein Consent-Werkzeug, wenn einwilligungspflichtige Dienste im Spiel sind, ein Buchungssystem, eine Mehrsprachigkeitslösung, ein Shop.
Was man weglassen kann
Umfassende Sicherheitspakete. Sie bringen viel Last mit, erzeugen viele Meldungen und ersetzen keine Updates. Der Nutzen liegt im Anmeldeschutz, und den gibt es auch schlank.
Slider. Kosten Ladezeit, und in der Praxis wird überwiegend die erste Folie wahrgenommen. Ein gutes statisches Bild mit einer klaren Aussage wirkt besser.
Seitenbaukästen, wenn ein Block-Theme vorhanden ist. Doppelte Werkzeuge für dieselbe Aufgabe, mit zusätzlicher Bindung der Inhalte an ein Format. Siehe Pagebuilder-Vergleich.
Zwei Analysewerkzeuge. Doppelte Ladezeit, doppelter Datenschutzaufwand, widersprüchliche Zahlen.
Plugins für Aufgaben, die der Kern erfüllt. Bildergalerien, Blockmuster, Vorlagen für Seitenteile, teils auch Weiterleitungen: All das kann WordPress inzwischen selbst oder über das Theme.
Wartungsmodus-, Favicon- und Kleinstwerkzeuge. Jedes davon ist eine zusätzliche Abhängigkeit für eine Aufgabe von fünf Minuten.
Ein Plugin vor der Installation bewerten
| Kriterium | Grenzwert |
|---|---|
| Letztes Update | jünger als sechs Monate |
| Getestet bis WordPress-Version | aktuelle Hauptversion |
| Aktive Installationen | mindestens 10.000 für unkritische Aufgaben |
| Support-Anfragen der letzten zwei Monate | beantwortet |
| Bewertungen | Kritik gelesen, nicht nur der Durchschnitt |
| Anzahl geladener Skripte | so wenig wie möglich, im Frontend prüfbar |
| Erzeugt es eigene Inhaltsformate | wenn ja, Ausstieg bedenken |
| Datenübertragung an Dritte | in der Beschreibung geprüft |
Die letzte Zeile wird oft übersehen: Plugins, die Schriften, Icons oder Kartenmaterial von fremden Servern laden, erzeugen datenschutzrechtliche Pflichten, die dann auf der Website landen. Siehe Cookie-Banner.
Die vorletzte Zeile entscheidet über den Ausstieg: Ein Plugin, das Inhalte in eigenen Shortcodes speichert, hinterlässt bei der Deinstallation Textfragmente auf jeder Seite, auf der es genutzt wurde.
Altlasten aufräumen
Ein Durchgang, der sich einmal jährlich lohnt:
- Liste durchgehen und je Plugin die Frage stellen: Welche Aufgabe erfüllt es, und wäre sie sonst unerfüllt?
- Alles ohne Update seit über einem Jahr markieren. Ersatz suchen oder entfernen.
- Doppelte Funktionen suchen. Zwei Plugins, die beide Weiterleitungen verwalten, sind eine Fehlerquelle.
- Vor dem Entfernen prüfen, ob Inhalte daran hängen. Bei Shortcodes und eigenen Blöcken zuerst umstellen.
- Deaktivieren, testen, dann löschen. Nach jeder Deaktivierung Startseite, eine Unterseite und das Formular prüfen.
- Rückstände in der Datenbank prüfen, sofern man sich damit auskennt. Viele Plugins hinterlassen Tabellen und Einstellungen.
- Backup vor dem Durchgang, nicht danach.
Der häufigste Fund bei diesem Durchgang ist ein Plugin, das für eine einmalige Aufgabe installiert wurde, etwa einen Import, und seither läuft.
Der Zusammenhang mit Sicherheit und Ladezeit
Plugins sind die Hauptangriffsfläche einer WordPress-Installation, nicht der Kern. Und sie sind neben dem Theme die Hauptursache für schlechte Ladezeiten, weil jedes eigene Stilangaben und Skripte auf jeder Seite lädt, oft auch dort, wo sie nicht gebraucht werden.
Beide Probleme haben dieselbe Lösung: weniger, gepflegter, bewusst gewählt. Details in WordPress-Sicherheit und WordPress-Performance.