Der Cookie-Banner ist das sichtbarste und am häufigsten falsch umgesetzte Element des Datenschutzes im Web. Ein erheblicher Teil der Banner erfüllt die Anforderungen nicht, und ein weiterer Teil ist überflüssig, weil auf der Seite nichts einwilligungspflichtig ist.
Diese Seite ordnet die Anforderungen ein. Sie ist keine Rechtsberatung; bei Shops, Werbenetzwerken oder besonderen Datenkategorien gehört die Umsetzung geprüft.
Wann ein Banner nötig ist
Maßgeblich ist § 25 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes: Das Speichern von Informationen auf dem Endgerät und der Zugriff darauf sind nur mit Einwilligung zulässig, sofern sie nicht unbedingt erforderlich sind, um einen ausdrücklich gewünschten Dienst bereitzustellen.
Nicht einwilligungspflichtig (technisch erforderlich):
- Sitzungskennung
- Warenkorb und Bestellprozess
- Anmeldezustand
- Spracheinstellung, wenn vom Nutzer gewählt
- Lastverteilung
- Sicherheitsfunktionen, etwa Schutz vor automatisierten Anfragen
- Die Speicherung der Cookie-Entscheidung selbst
Einwilligungspflichtig:
- Reichweitenmessung und Analyse
- Werbenetzwerke und Retargeting
- Eingebettete Videos, die beim Seitenaufruf laden
- Kartendienste, die beim Aufruf Daten übertragen
- Chat-Widgets und Bewertungs-Widgets
- Schriften von einem fremden Server
- Werbe- und Empfehlungsnetzwerke, soweit sie beim Aufruf setzen
Die Konsequenz ist wichtiger als die Liste: Wer die zweite Gruppe vermeidet oder ersetzt, braucht keinen Banner.
Wie eine wirksame Einwilligung aussieht
- Vorher. Kein einwilligungspflichtiger Dienst darf laden, bevor entschieden wurde. Ein Banner, hinter dem das Analysewerkzeug schon läuft, ist wirkungslos.
- Freiwillig. Der Zugang zur Seite darf nicht von der Zustimmung abhängen, außer in engen, gesondert zu bewertenden Modellen.
- Gleichwertig. Ablehnen muss auf derselben Ebene und mit gleicher Sichtbarkeit möglich sein wie Zustimmen.
- Ohne Vorauswahl. Nicht notwendige Kategorien sind standardmäßig deaktiviert.
- Informiert. Verständliche Angabe, welche Dienste zu welchem Zweck gesetzt werden, mit Verweis auf die Datenschutzerklärung.
- Granular. Kategorien einzeln wählbar, nicht nur alles oder nichts.
- Widerrufbar. Ein dauerhaft erreichbarer Weg, die Entscheidung zu ändern, üblicherweise ein Link im Fußbereich.
- Dokumentiert. Der Nachweis, dass eine Einwilligung erteilt wurde, muss geführt werden können.
Punkt 8 ist der, an dem Eigenbauten scheitern: Ein selbst geschriebenes Skript, das einen Wert im lokalen Speicher setzt, dokumentiert nichts.
Gestaltungen, die als unzulässig gelten
- Nur “Akzeptieren” und “Einstellungen”. Ablehnen fehlt auf der ersten Ebene.
- Farbliche Bevorzugung. Auffällige Zustimmen-Schaltfläche neben blassem Ablehnen-Text.
- Ablehnen in einem Untermenü, das erst nach zwei Klicks erreichbar ist.
- Weiterscrollen als Zustimmung. Eine Handlung ohne Erklärungswert ist keine Einwilligung.
- Banner, der sich nicht schließen lässt, ohne zuzustimmen, bei einer Informationsseite.
- Vorausgewählte Kategorien für Analyse oder Marketing.
- Endlose Wiederholung, wenn eine Ablehnung nach jedem Seitenwechsel neu abgefragt wird.
Der bessere Weg: den Banner vermeiden
Für eine große Zahl kleiner Websites ist der Banner keine Pflicht, sondern eine Folge von Entscheidungen, die man auch anders treffen kann.
| Statt | Besser |
|---|---|
| Schriften von einem fremden Server | Schriften lokal ausliefern |
| Karte beim Seitenaufruf eingebettet | Statisches Vorschaubild, Karte nach Klick |
| Video direkt eingebettet | Vorschaubild, Video nach Klick |
| Analyse mit Cookies | Serverseitige Auswertung oder Verzicht |
| Chat-Widget | Telefonnummer und E-Mail-Adresse |
| Bewertungs-Widget | Bewertungen als Text auf der Seite |
| Zwei Analysewerkzeuge | eines, oder keines |
Der Nebeneffekt ist erheblich: Jeder entfernte Fremddienst verbessert gleichzeitig die Ladezeit und die Reaktionsfähigkeit der Seite. Ein Banner selbst ist ebenfalls ein Skript und kostet Reaktionszeit. Siehe Core Web Vitals.
Für die Schriften ist die Umsetzung besonders einfach und der häufigste Einzelfall. Siehe Google Fonts lokal.
Wenn ein Banner nötig ist
Dann gehört er sauber gemacht: ein etabliertes Consent-Werkzeug statt eines Eigenbaus, Kategorien statt einer Sammelabfrage, Dienste erst nach Zustimmung geladen, Widerrufslink im Fußbereich, und die Gestaltung als Überlagerung statt als eingeschobenes Element, damit der Inhalt nicht verrutscht.
Zwei praktische Hinweise: Der Banner darf das Impressum nicht blockieren, weil dieses ohne Einwilligung erreichbar sein muss. Und die Liste der Dienste im Banner muss mit der Datenschutzerklärung übereinstimmen. Zwei unterschiedliche Listen sind ein eigener Mangel. Siehe DSGVO für Websites.