Eine Website zu erstellen ist heute kein technisches Problem mehr. Die Werkzeuge sind gut, günstig und in wenigen Minuten einsatzbereit. Was Projekte scheitern lässt, sind fast immer Entscheidungen, die vor dem ersten Klick getroffen werden müssten und stattdessen unterwegs improvisiert werden.
Dieser Bereich geht die Reihenfolge durch, in der ein Webprojekt sinnvoll entsteht: erst Zweck und Struktur, dann System, dann Gestaltung, dann Inhalte, dann Livegang. Wer diese Reihenfolge einhält, baut einmal. Wer sie umdreht, baut zweimal.
Die einzige Frage, die am Anfang steht
Nicht “wie soll die Seite aussehen”, sondern: was soll auf dieser Seite passieren?
Die Antwort ist erstaunlich oft nur eine von vier:
- Anrufe oder Anfragen erzeugen (Handwerk, Praxis, Beratung, Dienstleistung)
- Buchungen erzeugen (Ferienwohnung, Termin, Kurs, Tisch)
- Produkte verkaufen (Shop)
- Vertrauen belegen, wenn der Kontakt anderswo entsteht (Empfehlungsgeschäft, Bewerbung, Verein)
Jeder dieser Zwecke führt zu einer anderen Seite. Eine Anfrage-Website braucht drei bis fünf Seiten, eine sichtbare Telefonnummer und einen Beleg dafür, dass es echte Menschen mit echten Referenzen gibt. Eine Buchungs-Website braucht Verfügbarkeiten, Preise und Bilder in einer Qualität, die den Preis rechtfertigt. Ein Shop braucht eine Systemlandschaft, die auch dann noch funktioniert, wenn dreihundert Artikel drin sind.
Wer diese Frage nicht beantwortet, landet bei der Website, die alles ein bisschen macht: eine Startseite mit einem Begrüßungstext, eine Leistungsseite mit einer Liste, ein Kontaktformular. Technisch fehlerfrei und wirkungslos.
Die vier Wege im Überblick
| Weg | Passt, wenn | Einmalig | Laufend |
|---|---|---|---|
| Baukasten | Umfang klein, Zeit knapp, Pflege selbst | 0 Euro | 10 bis 30 Euro pro Monat |
| CMS in Eigenregie | Sie regelmäßig selbst arbeiten wollen | eigene Zeit, ggf. Theme | 5 bis 25 Euro pro Monat |
| Statischer Build | Technisches Interesse vorhanden, Inhalte stabil | eigene Zeit | 0 bis 10 Euro pro Monat |
| Umsetzung durch Dritte | Die Seite Umsatz erzeugen muss | 1.500 bis 15.000 Euro | Hosting plus Wartung |
Die Spannen sind groß, weil sie unterschiedliche Projekte abbilden. Eine Handwerkerseite mit fünf Unterseiten und eine Buchungsplattform mit Kalenderanbindung stehen in derselben Zeile, sind aber verschiedene Aufgaben. Die Detailrechnung steht in Kosten und Preise.
Wichtiger als der Preis ist die Frage, wer die Seite in zwei Jahren pflegt. Ein Baukasten, der einmal im Quartal ein neues Foto bekommt, ist besser als ein maßgeschneidertes CMS, in dem sich niemand mehr einloggt.
Reihenfolge, die funktioniert
- Zweck festlegen. Ein Satz, geschrieben, nicht gedacht.
- Seitenliste erstellen. Welche Seiten gibt es, was steht drauf, welche Seite führt zur Handlung. Details in Struktur planen.
- Texte für die drei wichtigsten Seiten schreiben. Vor dem Design, weil Design den Text abbildet und nicht umgekehrt.
- System wählen. Erst jetzt, weil die Anforderungen jetzt bekannt sind. Siehe Baukasten und CMS.
- Domain und Hosting klären. Siehe Domain registrieren und Hosting.
- Aufbauen. Struktur zuerst, Feinheiten später.
- Pflichten abarbeiten. Impressum, Datenschutz, Cookies, Barrierefreiheit. Siehe Recht und Barrierefreiheit.
- Prüfen und live gehen. Siehe Launch-Checkliste.
Punkt 3 ist der, der am häufigsten übersprungen wird, und der, dessen Auslassen am meisten kostet. Ein Designer, der ohne Texte gestaltet, gestaltet Platzhalter. Sobald echte Texte kommen, passt das Layout nicht mehr, und es wird nachgebaut.
Was Anfänger typischerweise zu viel machen
Zu viele Seiten. Fünf gute Seiten schlagen zwanzig halbe. Jede Seite muss gepflegt werden, und jede leere Seite senkt den Eindruck der ganzen Site.
Zu viele Funktionen. Ein Blog, der nach zwei Beiträgen einschläft, schadet mehr als kein Blog. Eine Newsletter-Anmeldung ohne Newsletter ebenso.
Zu viel Bewegung. Animationen, Slider und Parallax-Effekte kosten Ladezeit und Aufmerksamkeit. Ein Slider auf der Startseite wird in der Praxis überwiegend an der ersten Folie gelesen und dann weggescrollt.
Zu wenig Kontakt. Telefonnummer im Kopf jeder Seite, Adresse im Fuß, Formular kurz. Wer Anfragen will, macht das Anfragen leicht.
Was Anfänger typischerweise zu wenig machen
Mobil prüfen. Der überwiegende Teil der Besucher kommt vom Telefon. Eine Seite, die am Notebook gebaut und nie am Telefon geöffnet wurde, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Layoutproblem.
Ladezeit messen. Ein unkomprimiertes Foto aus der Kamera ist schnell fünf Megabyte groß. Vier davon auf der Startseite, und die Seite ist auf dem Mobilfunknetz unbenutzbar. Siehe Performance.
Pflichten ernst nehmen. Impressum und Datenschutzerklärung sind keine Formalie, sondern der Teil, für den es Abmahnungen gibt. Seit Juni 2025 kommt für viele Anbieter die Barrierefreiheit hinzu.
Backups. Auch beim Baukasten. Texte und Bilder sollten außerhalb des Systems liegen, damit ein Anbieterwechsel nicht bei null beginnt.
Wenn Sie nicht selbst bauen wollen
Das ist eine legitime Entscheidung, und für Seiten, die Geld verdienen sollen, oft die richtige. Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Beauftragung liegt fast vollständig im Briefing: Wer klar sagt, was die Seite leisten soll, welche Inhalte vorliegen und was das Budget ist, bekommt vergleichbare Angebote. Wer “eine schöne moderne Website” bestellt, bekommt Angebote zwischen 800 und 12.000 Euro und kann sie nicht vergleichen.
Der Briefing-Leitfaden enthält die Punkte, die in eine Anfrage gehören. Website erstellen lassen geht die Auswahl und die Vertragsfragen durch.