Eine Website selbst zu erstellen ist keine technische Herausforderung mehr. Der Grund, warum es trotzdem oft schiefgeht, ist die Reihenfolge: Die meisten fangen beim Design an, weil das der sichtbare Teil ist, und stellen später fest, dass die Inhalte nicht dazu passen.
Diese neun Schritte in dieser Reihenfolge führen dazu, dass einmal gebaut wird.
Schritt 1: Zweck in einem Satz
Was soll auf dieser Seite passieren? Es gibt praktisch nur vier Antworten: Anfragen erzeugen, Buchungen erzeugen, Produkte verkaufen, oder Vertrauen belegen, wenn der Kontakt anderswo entsteht.
Diesen Satz aufschreiben. Er ist der Maßstab für jede spätere Entscheidung. Bei jedem Element auf der Seite lautet die Frage: dient es diesem Satz? Wenn nicht, kann es weg.
Schritt 2: Seitenliste
Eine Zeile pro Seite, mit einem Halbsatz, was drauf steht. Für die meisten kleinen Betriebe sind es fünf bis acht:
- Startseite: was wird angeboten, für wen, was ist der nächste Schritt
- Leistungen: was genau, mit Preisrahmen wenn möglich
- Referenzen oder Arbeiten: Belege, am besten mit eigenen Fotos
- Über den Betrieb: wer dahinter steht, seit wann, Qualifikation
- Kontakt: alle Wege, Öffnungszeiten, Anfahrt
- Impressum und Datenschutz: Pflicht, siehe Recht
Mehr Seiten sind selten besser. Jede Seite muss gepflegt werden, und eine halb gefüllte Seite senkt den Eindruck der ganzen Site. Details in Struktur planen.
Schritt 3: Texte für die drei wichtigsten Seiten
Vor dem Design, nicht danach. Das ist der Schritt, der am häufigsten verschoben wird und dessen Verschieben am meisten kostet.
Was hilft:
- Mit der Frage des Lesers anfangen, nicht mit der eigenen Geschichte. “Herzlich willkommen auf unserer Homepage” beantwortet keine Frage.
- Konkret werden. “Badsanierung in zwei Wochen, Festpreis nach Besichtigung” sagt mehr als “individuelle Lösungen in höchster Qualität”.
- Kurze Absätze, Zwischenüberschriften, keine Textwände.
- Jede Seite endet mit einem nächsten Schritt. Anrufen, anfragen, weiterlesen.
Wer beim Schreiben feststeckt: die letzten zehn Kundenanfragen durchgehen und die Fragen notieren, die tatsächlich gestellt wurden. Das ist der Inhalt der Website.
Schritt 4: Bilder sammeln
Eigene Fotos sind gekauften Stockbildern in fast jedem Fall überlegen, weil sie belegen, dass es den Betrieb wirklich gibt. Ein Telefon mit guter Kamera genügt, wenn bei Tageslicht fotografiert wird.
Was gebraucht wird: ein starkes Bild für die Startseite, zwei bis vier für die Leistungen, drei bis sechs für Referenzen, ein Bild vom Team oder von der Person.
Wichtig: Originale in einem eigenen Ordner behalten, unabhängig vom späteren System. Und vor dem Hochladen verkleinern, siehe Schritt 7.
Schritt 5: Systemwahl
Erst jetzt, weil jetzt bekannt ist, was gebraucht wird: Seitenzahl, Funktionen, wer pflegt.
Für fünf bis fünfzehn Seiten ohne Sonderfunktionen ist ein Baukasten in der Regel die richtige Wahl. Für regelmäßige Beiträge mit Kategorien ein CMS. Für stabile Inhalte und technisches Interesse ein statischer Build. Die Abwägung steht in Baukasten und CMS und im Detail in Homepage-Baukasten im Vergleich.
Schritt 6: Domain und Hosting
Domain immer im eigenen Konto registrieren, nie über einen Dienstleister und nie über den Baukasten. Sie ist der einzige Teil des Projekts, der wirklich Ihnen gehört. Kurz, sprechbar, .de für deutsche Zielgruppen.
Beim Baukasten ist Hosting enthalten, die Domain wird nur verbunden. Bei einem CMS kommt Hosting dazu, siehe Webhosting vergleichen.
Schritt 7: Aufbauen, Struktur zuerst
Alle Seiten anlegen und die Navigation setzen, bevor die erste Seite fein gestaltet wird. Dann Texte einsetzen. Dann Bilder. Dann gestalten.
Zwei Punkte, die den Unterschied machen:
Bilder vor dem Hochladen verkleinern. Ein Foto aus der Kamera ist schnell fünf Megabyte groß. Für eine Darstellung mit 1.200 Pixel Breite genügt eine Datei mit 1.600 Pixel Breite und rund 200 Kilobyte. Das ist der Unterschied zwischen einer schnellen und einer unbenutzbaren Seite auf dem Telefon. Siehe Bilder optimieren.
Zwei Schriften, drei bis vier Farben. Mehr wirkt nicht reicher, sondern unruhig. Siehe Webdesign-Grundlagen.
Schritt 8: Pflichten abarbeiten
- Impressum mit vollständigen Angaben, von jeder Seite in maximal zwei Klicks erreichbar
- Datenschutzerklärung, die die tatsächlich eingesetzten Dienste beschreibt
- Einwilligung nur, wenn nicht notwendige Cookies oder Einbettungen im Spiel sind. Wer Schriften lokal ausliefert und Karten erst nach Klick lädt, braucht oft keinen Banner
- Barrierefreiheit prüfen, insbesondere Kontraste, Alternativtexte und Tastaturbedienung. Bei online abschließbaren Verträgen kann das Pflicht sein, siehe BFSG-Pflichten
Grundlagen in Recht und Datenschutz.
Schritt 9: Prüfen und live gehen
Die Punkte, die vor dem Umschalten geprüft gehören, stehen vollständig in der Launch-Checkliste. Die vier wichtigsten:
- Auf einem echten Telefon ansehen, nicht in der Vorschau des Editors
- Kontaktformular tatsächlich abschicken und prüfen, ob die Nachricht ankommt
- Ladezeit messen, mobil, siehe Ladezeit messen
- Mit der Tastatur durch die Seite gehen und prüfen, ob der Fokus sichtbar ist
Punkt 2 ist der stille Klassiker: Ein Formular, das keine Mails versendet, meldet keinen Fehler. Es kommen einfach keine Anfragen.
Was nach dem Livegang bleibt
Eine Website ist nie fertig, aber der laufende Aufwand ist gering: Preise und Öffnungszeiten aktuell halten, gelegentlich ein neues Referenzfoto, bei einem CMS die monatlichen Updates. Wer weiß, dass er sich nicht kümmern wird, sollte bewusst eine Seite bauen, die keine Pflege verlangt: keine Termine, keine Preise, die veralten, keine Blogfunktion.