Website-Baukästen haben in den letzten Jahren den Bereich, für den sie taugen, deutlich ausgeweitet. Für eine Firmenwebsite mit fünf bis fünfzehn Seiten sind sie heute nicht die Notlösung, sondern häufig die vernünftigste Wahl. Was sie nicht können, ist genauso klar umrissen und sollte vor dem Abo bekannt sein.
Die sieben Kriterien, die zählen
Vergleichstabellen im Netz vergleichen fast immer Speicherplatz, Vorlagenanzahl und Preis. Alle drei sind nahezu irrelevant. Entscheidend ist Folgendes:
1. Exportfähigkeit. Was lässt sich mitnehmen, wenn Sie gehen? Texte einzeln, Bilder einzeln, oder gar nichts? Das ist das teuerste Kriterium und steht in keiner Werbung.
2. Eigene Domain im ersten bezahlten Tarif. Manche Anbieter verlangen dafür einen höheren Tarif. Das verschiebt den echten Preis.
3. Redaktionelle Struktur. Gibt es Kategorien, Schlagwörter, Übersichtsseiten, oder ist jede Seite ein Einzelstück? Ab etwa zwanzig Inhalten entscheidet das über die Pflegbarkeit.
4. Sichtbarkeitsfunktionen. Eigener Titel und eigene Beschreibung je Seite, sprechende Adressen, Weiterleitungen einrichtbar, Sitemap vorhanden. Das ist Standard geworden, sollte aber geprüft werden.
5. Datenschutzfähigkeit. Serverstandort, Auftragsverarbeitungsvertrag im Kundenkonto, Kontrolle darüber, welche externen Dienste eingebunden werden. Ein Baukasten, der ungefragt Schriften und Analysewerkzeuge von Dritten lädt, verlagert das Problem zu Ihnen.
6. Barrierefreiheit der Vorlagen. Seit Juni 2025 relevant für alle, die online Verträge schließen. Prüfbar an Kontrasten, Fokusdarstellung und Tastaturbedienung in der Demo. Siehe Barrierefreiheit.
7. Mehrsprachigkeit, falls nötig. Der Punkt, an dem Baukästen am häufigsten enttäuschen: oft als Aufpreis, oft ohne saubere Sprachkennzeichnung, oft ohne getrennte Adressen je Sprache.
Preisstruktur realistisch
Die üblichen Tarife liegen zwischen 8 und 35 Euro monatlich bei Jahreszahlung. Was den Endpreis verschiebt:
| Faktor | Effekt |
|---|---|
| Jahres- statt Monatszahlung | 15 bis 30 Prozent günstiger |
| Erstes Jahr als Aktionspreis | Verlängerung oft doppelt so teuer |
| Domain im Tarif enthalten | ab dem zweiten Jahr meist berechnet |
| Shop-Funktion | 15 bis 40 Euro monatlich Aufpreis |
| Mehrsprachigkeit | oft nur im höheren Tarif |
| Mehrere Redakteure | oft nur im höheren Tarif |
Der entscheidende Punkt: Der Preis im zweiten Jahr ist der echte Preis. Aktionstarife im ersten Jahr sind bei nahezu allen Anbietern üblich und verzerren jeden Vergleich, der nur das Startjahr betrachtet.
Wo der Lock-in konkret weh tut
Ein Baukasten wird bequem betreten und teuer verlassen. Die Punkte in der Reihenfolge ihres Schmerzes:
- Inhalte. Ohne vollständigen Export muss jede Seite neu getippt werden. Bei dreißig Seiten sind das mehrere Arbeitstage.
- Adressstruktur. Wechselt das System, ändern sich häufig alle Adressen. Ohne Weiterleitungen gehen Rankings verloren.
- Formularmeldungen. Anfragen aus der Vergangenheit liegen im System des Anbieters, oft ohne Export.
- Bilder. Häufig in anbietereigenen Größen; die Originale fehlen, wenn sie nie separat gesichert wurden.
- Design. Nicht übertragbar. Das ist der Punkt, der am wenigsten schmerzt, weil ein Neubau ohnehin neu gestaltet.
Die Gegenmaßnahme kostet nichts und gehört ab Tag eins zur Routine: Domain im eigenen Konto, Texte zusätzlich in einem Dokument, Originalbilder in einem Ordner, Anfragen per Weiterleitung zusätzlich ins eigene Postfach. Damit wird jeder Wechsel von einem Datenverlust zu einer Fleißarbeit. Details in System wechseln.
Für welche Projekte ein Baukasten die richtige Wahl ist
Passend:
- Firmenwebsite mit fünf bis fünfzehn Seiten und stabilen Inhalten
- Ferienwohnung oder Pension mit Anfrageformular
- Praxis oder Kanzlei ohne redaktionellen Anspruch
- Verein mit wechselnden Ehrenamtlichen, weil Übergaben einfach bleiben
- Landingpage oder Projektseite mit klarer Aufgabe
- Erste Website, wenn schnell etwas Vorzeigbares nötig ist
Nicht passend:
- Mehr als etwa fünfzig Inhalte, die strukturiert und verschlagwortet werden müssen
- Redaktioneller Betrieb mit mehreren Autoren und Freigabeprozessen
- Anforderungen an sehr kurze Ladezeiten in einem umkämpften Umfeld
- Mehrsprachigkeit über zwei Sprachen hinaus
- Shop, der über einfache Artikel hinausgeht
- Projekte, die absehbar fünf Jahre und länger wachsen sollen
Die Auswahl in vier Schritten
- Testen mit eigenen Inhalten, nicht mit Demo-Inhalten. Drei echte Seiten mit echten Texten und echten Bildern anlegen. Erst dann zeigt sich, ob das Werkzeug zur Arbeitsweise passt.
- Auf dem Telefon prüfen. Nicht die Vorschau, sondern die veröffentlichte Testseite auf einem echten Gerät.
- Ladezeit der Testseite messen. Ein Baukasten mit schwerem Vorlagen-Unterbau ist auch mit optimierten Bildern langsam. Siehe Ladezeit messen.
- Ausstieg prüfen, bevor Sie einsteigen. In der Hilfe des Anbieters nach “Export” suchen. Was dort steht, ist der Preis des Ausstiegs.
Schritt 4 ist der, der am seltensten gemacht wird und die größte Wirkung hat. Der direkte Vergleich zu WordPress steht in WordPress oder Baukasten.