Ein Content-Management-System trennt Inhalte von Darstellung. Diese Trennung ist der Grund, warum eine Website mit CMS wachsen, umgestaltet und umgezogen werden kann, ohne dass Inhalte neu getippt werden müssen. Die Systeme unterscheiden sich in der Frage, wie sie diese Trennung umsetzen und wer damit arbeiten kann.
Die vier Familien
WordPress und verwandte Systeme
Inhalte in einer Datenbank, Darstellung durch ein Theme, Funktionen durch Plugins, alles über eine Weboberfläche verwaltbar. Die Seite wird bei jedem Aufruf serverseitig zusammengebaut, sofern kein Cache davor liegt.
Stark bei: vielen Inhalten, mehreren Redakteuren, häufigen Änderungen, verfügbaren Fachkräften, großem Ökosystem für Sonderfälle.
Schwach bei: Wartungsfreiheit, Geschwindigkeit ohne Zusatzarbeit, sehr eigenen Layouts ohne Werkzeug oder Entwicklung.
Realistischer Aufwand: eine Stunde monatlich für Updates und Prüfung. Details in WordPress.
Klassische Enterprise-Systeme
Systeme wie TYPO3 oder Drupal sind auf große Strukturen, feingliedrige Rechte, mehrsprachige Bestände und lange Wartungszyklen ausgelegt. Sie verlangen mehr Einarbeitung und in der Regel professionelle Betreuung.
Stark bei: komplexen Rechte- und Freigabeprozessen, sehr großen Seitenbäumen, echter Mehrsprachigkeit, langen Support-Zeiträumen je Hauptversion.
Schwach bei: kleinen Projekten. Der Einarbeitungsaufwand steht bei unter fünfzig Seiten in keinem Verhältnis.
Statische Generatoren
Werkzeuge wie Astro, Hugo oder Eleventy erzeugen aus Inhaltsdateien und Vorlagen fertige HTML-Dateien. Diese werden ausgeliefert, ohne dass zur Laufzeit Code ausgeführt oder eine Datenbank befragt wird.
Stark bei: Geschwindigkeit von Haus aus, Sicherheit durch fehlende Angriffsfläche, minimalem Wartungsaufwand, sehr günstigem Hosting, Versionierung über Git.
Schwach bei: Redaktion ohne technisches Verständnis, Inhalten, die sich stündlich ändern, Funktionen, die serverseitige Logik brauchen.
Der eigentliche Kipppunkt: Wer pflegt die Inhalte? Bei einer Person mit technischem Zugang ist ein statischer Build die wartungsärmste Lösung überhaupt. Bei einem Team ohne Technikbezug braucht es ein Redaktionssystem davor. Details in Statische Generatoren.
Headless-CMS
Ein reines Redaktionssystem, das Inhalte über eine Schnittstelle bereitstellt. Die Darstellung übernimmt ein beliebiges Frontend, häufig ein statischer Generator. Damit kombiniert man komfortable Redaktion mit der Geschwindigkeit eines statischen Builds.
Stark bei: großen strukturierten Beständen, mehreren Ausspielkanälen wie Website und App, klarer Trennung von Inhalt und Darstellung, mehreren Redakteuren bei gleichzeitig hoher Geschwindigkeit.
Schwach bei: kleinen Projekten. Zwei Systeme bedeuten zwei Verträge, zwei Fehlerquellen und mehr Einarbeitung. Details in Headless-CMS.
Vergleich in Zahlen
| Kriterium | WordPress | Enterprise | Statisch | Headless |
|---|---|---|---|---|
| Einarbeitung Redaktion | gering | hoch | hoch ohne Zusatz | gering |
| Einarbeitung Technik | gering | hoch | mittel | mittel |
| Ladezeit ohne Optimierung | mittel | mittel | sehr gut | sehr gut |
| Wartungsaufwand | monatlich | quartalsweise | kaum | gering |
| Angriffsfläche | vorhanden | vorhanden | minimal | minimal im Frontend |
| Hosting pro Monat | 5 bis 25 Euro | 20 bis 200 Euro | 0 bis 10 Euro | 0 bis 100 Euro |
| Sinnvoll ab Seitenzahl | 10 | 50 | 5 | 50 |
| Fachkräfte verfügbar | sehr viele | wenige | wenige | wenige |
Die letzte Zeile ist ein unterschätztes Kriterium: Ein System, für das sich schwer jemand findet, wird zum Problem, sobald die Person wechselt, die es aufgesetzt hat.
Entscheidungspfad
Unter zehn Seiten, stabil, eine Person pflegt: statischer Generator, oder ein Baukasten, wenn keine technische Neigung vorhanden ist. Ein CMS wäre Aufwand ohne Nutzen. Siehe Homepage-Baukasten.
Zehn bis hundert Seiten, regelmäßige Beiträge, Redaktion ohne Technikbezug: WordPress. Das ist der Bereich, für den es gebaut wurde.
Über hundert Seiten, stark strukturiert, mehrere Redakteure, Geschwindigkeit wichtig: Headless-CMS mit statischem Frontend.
Konzernumfeld, mehrsprachig, feine Rechte, langer Lebenszyklus: Enterprise-System mit Dienstleister.
Shop: eigene Entscheidung, nicht über das CMS lösbar. Siehe Onlineshop.
Was die Systemwahl nicht löst
Kein System macht Inhalte gut, keines macht eine Struktur sinnvoll, und keines ersetzt die Entscheidung, was die Seite eigentlich erreichen soll. Der häufigste Fehler ist, eine inhaltliche Unklarheit als technische Frage zu behandeln und sie durch einen Systemwechsel lösen zu wollen.
Ein Wechsel kostet Geld, Zeit und in der Regel Sichtbarkeit. Er ist gerechtfertigt bei konkreten technischen Grenzen, bei nicht mehr tragbarem Wartungsaufwand oder wenn das System nicht mehr weiterentwickelt wird. Er ist nicht gerechtfertigt, weil ein anderes System moderner klingt. Siehe System wechseln.