Die Frage kommt bei fast jedem kleinen Projekt, und die üblichen Antworten sind Lagerdenken. Tatsächlich lässt sich die Entscheidung an fünf Fragen klären, die nichts mit Vorlieben zu tun haben.
Frage 1: Wer pflegt die Seite, und ist er bereit zu warten?
Das ist die wichtigste Frage. WordPress verlangt monatlich etwa eine Stunde: Kern-, Theme- und Plugin-Updates, danach ein Funktionstest, gelegentlich das Ersetzen eines verwaisten Plugins. Wer das nicht leisten will, betreibt nach zwölf Monaten ein Sicherheitsrisiko.
Ein Baukasten hat diesen Aufwand nicht, weil der Anbieter ihn übernimmt. Das ist kein Nebenaspekt, sondern der Hauptunterschied im Alltag.
Antwort führt zu: Keine Wartungsbereitschaft, keine technische Person im Haus, häufig wechselnde Zuständigkeit → Baukasten. Alternativ Managed WordPress, wo die Wartung eingekauft wird, für 15 bis 60 Euro monatlich.
Frage 2: Wie viele Inhalte werden es?
Bis etwa zehn Seiten ist beides handhabbar. Ab etwa dreißig Inhalten mit Kategorien, Schlagwörtern und Übersichtsseiten spielt WordPress seine Stärke aus, weil es dafür gebaut wurde. Baukästen behandeln jede Seite tendenziell als Einzelstück, was ab einer bestimmten Menge unübersichtlich wird.
Antwort führt zu: Unter zehn Seiten, stabil → Baukasten. Regelmäßige Beiträge mit Struktur → WordPress.
Frage 3: Wie wahrscheinlich ist ein Wechsel in den nächsten fünf Jahren?
Bei WordPress liegen Inhalte in einer Datenbank und lassen sich exportieren. Bei einem Baukasten gibt es meist keinen vollständigen Export, sodass ein Wechsel bedeutet, die Seite neu aufzubauen.
Wer den Wechsel für wahrscheinlich hält, kauft bei WordPress Beweglichkeit. Wer die Seite bewusst als Wegwerf-Lösung für drei Jahre plant, kann in den Lock-in gehen.
Antwort führt zu: Wechsel wahrscheinlich, Seite soll wachsen → WordPress. Klar begrenzter Zeithorizont → Baukasten.
Frage 4: Braucht es etwas, das über Inhalte hinausgeht?
Buchungslogik mit Verfügbarkeiten, Mitgliederbereich, Kundengruppen mit eigenen Preisen, echte Mehrsprachigkeit mit getrennten Adressen, Shop mit Varianten: Hier ist WordPress mit passenden Erweiterungen deutlich weiter. Baukästen bieten solche Funktionen entweder gar nicht, im höheren Tarif oder in einer vereinfachten Form.
Der häufigste Stolperstein ist Mehrsprachigkeit: Bei Baukästen oft aufpreispflichtig und ohne saubere Sprachkennzeichnung.
Antwort führt zu: Sonderfunktionen nötig → WordPress. Nur Inhalte und ein Formular → Baukasten.
Frage 5: Wie eigen soll die Gestaltung sein?
Baukästen arbeiten mit Vorlagen, die sich in Farben, Schriften und Anordnung anpassen lassen, aber einen erkennbaren Rahmen haben. WordPress erlaubt mit einem eigenen Theme praktisch jede Gestaltung, zum Preis von Entwicklungsaufwand.
Für eine Firmenwebsite mit klarer Struktur ist der Vorlagenrahmen selten eine echte Einschränkung. Für ein Projekt mit eigenem Erscheinungsbild und besonderen Layoutanforderungen ist er es.
Antwort führt zu: Vorlage genügt → Baukasten. Eigenes Erscheinungsbild nötig → WordPress mit Entwicklung.
Kosten im Nebeneinander
| Posten | Baukasten | WordPress selbst | Managed WordPress |
|---|---|---|---|
| Einmalig | 0 Euro | 0 bis 200 Euro | 0 bis 200 Euro |
| Hosting | im Abo | 60 bis 240 Euro/Jahr | 180 bis 720 Euro/Jahr |
| Abo | 120 bis 400 Euro/Jahr | – | – |
| Domain | 0 bis 20 Euro/Jahr | 8 bis 20 Euro/Jahr | 8 bis 20 Euro/Jahr |
| Lizenzen | – | 0 bis 300 Euro/Jahr | 0 bis 300 Euro/Jahr |
| Wartung | keine | eigene Zeit | inklusive |
| Summe Jahr 1 | 120 bis 420 Euro | 70 bis 560 Euro | 190 bis 1.040 Euro |
Die Zahlen liegen näher zusammen, als die Diskussion vermuten lässt. Der Unterschied liegt nicht im Preis, sondern in der Verteilung von Aufwand und Freiheit.
Die kurze Antwort
Baukasten, wenn: unter zehn Seiten, keine Sonderfunktionen, keine Wartungsbereitschaft, Vorlage genügt, Zeithorizont überschaubar.
WordPress, wenn: regelmäßige Inhalte, Struktur mit Kategorien, Sonderfunktionen, eigenes Erscheinungsbild, Wechselmöglichkeit soll erhalten bleiben, und jemand pflegt.
Managed WordPress, wenn die zweite Liste zutrifft, aber die Wartungsbereitschaft fehlt. Das ist der am häufigsten übersehene mittlere Weg.
Keines von beiden, wenn die Inhalte stabil sind und technisches Interesse vorhanden ist: Ein statischer Build ist dann schneller, sicherer und billiger. Siehe Statische Generatoren.