Systemvergleiche, Hosting-Checks und Anleitungen für die eigene Website. Was eine Website kostet

Baukasten & CMS

System wechseln: Migration ohne Datenverlust und Rankingverlust

Was bei einem Systemwechsel tatsächlich Arbeit macht, wie man Inhalte rettet, welche Adressen bleiben müssen und warum der Weiterleitungsplan der wichtigste Teil ist.

Zuletzt geprüft: 26.07.2026 Lesezeit ca. 4 Minuten

Ein Systemwechsel ist der Punkt, an dem eine Website am meisten verlieren kann: Inhalte, Sichtbarkeit oder beides. Beides ist vermeidbar, aber nicht durch Technik, sondern durch Vorbereitung.

Was tatsächlich Arbeit macht

Nicht das, was man erwartet. Die Inhalte selbst sind meist das kleinere Problem.

AufgabeAufwandRisiko bei Auslassung
Inhalte übertragenmittelVerlust einzelner Texte
Design neu bauenhochkeines, nur Kosten
Adressen festlegengeringhoch
Weiterleitungsplanmittelsehr hoch
Funktionen ersetzenvariabelProzess bricht
Formulare neu einrichtengeringAnfragen kommen nicht an
Rechtstexte anpassengeringrechtliches Risiko
Barrierefreiheit prüfenmittelrechtliches Risiko
Alte Version sicherngeringVerlust nicht rekonstruierbar

Die Zeilen mit hohem Risiko sind die mit geringem Aufwand. Das ist die eigentliche Erkenntnis: Was schiefgeht, ist selten das Aufwendige.

Vorbereitung: die Bestandsaufnahme

1. Vollständige Adressliste. Aus Sitemap, aus einem Crawler und aus den Serverlogs. Die Logs sind wichtig, weil sie Adressen enthalten, die in keiner Sitemap stehen und trotzdem aufgerufen werden.

2. Die Seiten mit Besuchern. Aus der Search Console die Adressen mit Impressionen und Klicks der letzten zwölf Monate. Diese Liste ist die Prioritätenliste.

3. Externe Verweise. Welche Adressen werden von außen verlinkt? Jede braucht ein Ziel, unabhängig von ihren Besucherzahlen.

4. Inhalte sichern. Texte, Bilder, Dokumente vollständig als Dateien. Auch das, was im neuen Konzept nicht vorgesehen ist.

5. Funktionen auflisten. Jedes Formular, jede Buchungslogik, jeder Mitgliederbereich, jede Schnittstelle. Für jede die Frage: Was ersetzt sie im neuen System?

6. Referenzwerte messen. Ladezeit, Suchanfragen, Besucherzahlen. Ohne Vorher-Wert lässt sich nach dem Umschalten nichts beurteilen.

Inhalte übertragen: je nach Quelle

Aus WordPress oder einem anderen CMS: Es gibt einen Export. Bei einem Wechsel auf ein anderes CMS oft mit Import-Werkzeug, bei einem Wechsel auf einen statischen Build mit Umwandlung in Markdown. Bilder und Dokumente liegen in einem Verzeichnis und lassen sich vollständig mitnehmen.

Aus einem Baukasten: Meist kein Gesamtexport. Der Weg ist manuell: jede Seite öffnen, Text kopieren, Bilder herunterladen. Bei dreißig Seiten sind das mehrere Arbeitstage. Wenn Originalbilder fehlen, weil nur die vom Baukasten verkleinerten Versionen vorliegen, ist das ein zusätzliches Problem.

Aus einer nicht mehr erreichbaren Seite: Das Internet Archive ist die Quelle. Es liefert Struktur und Texte, aber unvollständig und ohne Originalbilder. Als Grundlage brauchbar, als vollständige Quelle nicht.

Der Weiterleitungsplan

Eine Tabelle: alte Adresse, neue Adresse, Status. Das ist der wichtigste Teil der Migration.

Regeln:

  • Jede alte Adresse zeigt auf das inhaltlich nächstliegende Ziel, nicht pauschal auf die Startseite
  • Dauerhafte Weiterleitung mit Statuscode 301, nicht temporär
  • Keine Ketten. Alt zeigt direkt auf neu
  • Groß- und Kleinschreibung, Schrägstrich am Ende und Parameter mitabdecken
  • Entfallene Inhalte bekommen das thematisch passende Ziel
  • Dauerhaft bestehen lassen. Weiterleitungen sind keine Übergangsmaßnahme

Die Zahl der Zeilen ist kein Zeichen schlechter Planung. Eine gewachsene Seite mit 200 Adressen braucht 200 Zeilen.

Adressen: so viel wie möglich behalten

Jede beibehaltene Adresse ist eine, die nicht weitergeleitet werden muss und bei der kein Signal verloren geht. Adressen zu ändern, weil die neue Struktur logischer wäre, ist der häufigste selbst verursachte Schaden bei einer Migration.

Wenn Adressen sich ändern müssen, etwa weil das neue System eine andere Struktur erzwingt, dann einmal richtig: eine Struktur, die die nächsten fünf Jahre trägt. Siehe Seitenstruktur und URLs.

Ablauf

  1. Testumgebung, vollständig für Suchmaschinen gesperrt, am besten zusätzlich passwortgeschützt
  2. Struktur bauen, dann Inhalte übertragen, dann gestalten
  3. Adressen einfrieren. Ab hier ändert sich keine mehr
  4. Weiterleitungen anlegen und einzeln prüfen
  5. Funktionen einrichten und testen, insbesondere Formulare mit echtem Versand
  6. Rechtstexte auf die neuen Dienste anpassen
  7. Barrierefreiheit prüfen, vor dem Umschalten
  8. Ladezeit gegen den Referenzwert prüfen
  9. Umschalten, nicht am Freitagnachmittag
  10. Sperre entfernen. Der häufigste teure Einzelfehler ist eine mitgenommene Indexierungssperre
  11. Sitemap einreichen, alte ersetzen
  12. Vier Wochen beobachten

Die vollständige Prüfliste steht in Launch-Checkliste, die Nachbeobachtung in Relaunch planen.

Die Lehre für neue Projekte

Drei Gewohnheiten machen jeden späteren Wechsel um ein Vielfaches billiger, kosten nichts und werden fast nie eingehalten:

  1. Domain im eigenen Konto registrieren, nie über den Dienstleister oder den Baukasten
  2. Texte parallel in einem Dokument führen, außerhalb des Systems
  3. Originalbilder in einem eigenen Ordner behalten, unverkleinert

Damit wird ein Systemwechsel von einem Datenverlust zu einer Fleißarbeit.

Häufige Fragen

Kann man Inhalte aus einem Baukasten exportieren?

Meist nicht vollständig. Texte und Bilder lassen sich einzeln herunterladen, ein Gesamtexport der Seitenstruktur ist bei den meisten Anbietern nicht vorgesehen. Deshalb sollten Inhalte von Anfang an parallel außerhalb des Systems geführt werden.

Was ist der teuerste Fehler bei einer Migration?

Der fehlende Weiterleitungsplan. Ändern sich Adressen ohne dauerhafte Weiterleitung, verliert die Seite den größten Teil ihrer Sichtbarkeit, und die Wiederherstellung dauert Monate.

Sollte man Adressen bei der Gelegenheit verbessern?

Nur wenn es einen sachlichen Grund gibt. Jede geänderte Adresse ist eine Weiterleitung mehr und ein Risiko mehr. Eine Adresse zu ändern, weil die neue schöner wäre, ist der häufigste selbst verursachte Schaden.

Wie lange sollte man die alte Version behalten?

Mindestens sechs Monate, vollständig als Kopie. Erfahrungsgemäß fällt Wochen nach dem Umschalten auf, dass ein Text, ein Dokument oder ein Bild doch gebraucht wird.

Passt dazu

Einige Links auf diesem Portal sind Empfehlungslinks. Wird darüber ein Vertrag geschlossen, erhält IDA Webdesign unter Umständen eine Vergütung. Für Sie ändert sich am Preis nichts, und die Bewertung eines Anbieters hängt nicht davon ab. Inhalte zu Recht und Datenschutz sind allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung.