Ein Livegang scheitert selten am Design und fast immer an Details, die niemand geprüft hat. Diese Liste ist in der Reihenfolge sortiert, in der Fehler weh tun: zuerst das, was still passiert und lange unbemerkt bleibt.
A. Auffindbarkeit, zuerst
Diese fünf Punkte stehen bewusst am Anfang, weil ihre Fehler unsichtbar sind.
- Keine Indexierungssperre. Kein
noindexim Kopfbereich, keine Blockade in derrobots.txt, bei WordPress der Haken “Suchmaschinen davon abhalten” entfernt. robots.txterreichbar und korrekt, mit Verweis auf die Sitemap.- Sitemap erreichbar und mit den Adressen, die indexiert werden sollen.
- Eine Schreibweise als Original festgelegt, entweder mit oder ohne
www. Die andere leitet dauerhaft weiter. - Kanonische Adresse je Seite gesetzt und auf die eigene Adresse zeigend, nicht auf eine Testdomain.
Punkt 5 ist ein bekannter Fallstrick: Wird eine Testumgebung kopiert, zeigen kanonische Angaben gelegentlich weiter auf die Testadresse.
B. Technik
- HTTPS aktiv, HTTP leitet weiter, keine Mischinhalte über unverschlüsselte Verbindungen
- Zertifikat gültig und automatische Verlängerung aktiv
- Fehlerseite vorhanden, gestaltet und mit Weg zurück in die Navigation
- Formulare senden tatsächlich, im Zielpostfach geprüft, Spam-Ordner mitgeprüft
- Formular-Bestätigungsseite oder Erfolgsmeldung vorhanden
- Favicon in allen benötigten Größen,
favicon.icovorhanden - Alle internen Links geprüft, keine tote Verlinkung
- Alle externen Links geprüft, sinnvolle Auszeichnung bei Werbe- oder Empfehlungslinks
- E-Mail von der eigenen Domain kommt an, SPF, DKIM und DMARC gesetzt
- Backup läuft und Wiederherstellung einmal getestet
- Bei einem CMS: Administratorname nicht
admin, starkes Passwort, Zwei-Faktor sofern verfügbar
C. Inhalte
- Kein Platzhaltertext mehr, auch nicht in Bildunterschriften und Fußbereichen
- Rechtschreibung geprüft, auch in Navigation und Schaltflächen
- Telefonnummer klickbar und tatsächlich richtig
- Adresse und Öffnungszeiten aktuell, als Text und nicht als Bild
- Preise aktuell oder bewusst weggelassen
- Alle Bilder haben Alternativtexte, dekorative Bilder einen leeren
- Seitentitel und Beschreibungen je Seite individuell, nicht dupliziert
- Bilder für soziale Netzwerke gesetzt und in der Vorschau geprüft
D. Recht
- Impressum vollständig, von jeder Seite in zwei Klicks erreichbar, nicht hinter einem Banner
- Datenschutzerklärung beschreibt die tatsächlich eingesetzten Dienste, nicht die einer Vorlage
- Auftragsverarbeitungsverträge mit Hoster und Formulardienst vorhanden und abgelegt
- Einwilligung nur, wenn nicht notwendige Dienste vorhanden sind, und dann korrekt umgesetzt
- Schriften lokal ausgeliefert oder in der Datenschutzerklärung benannt
- Karten und Videos erst nach Klick geladen oder in der Erklärung benannt
- Bildlizenzen dokumentiert, mit Quelle, Lizenz und Datum
- Bei Empfehlungslinks: Kennzeichnung vorhanden und offengelegt
Grundlagen dazu in Recht und Datenschutz.
E. Barrierefreiheit
- Kontrast von Fließtext mindestens 4,5 zu 1, große Schrift 3 zu 1
- Fokus beim Durchtabben sichtbar, Reihenfolge nachvollziehbar
- Menü und alle interaktiven Elemente ohne Maus bedienbar
- Formularfelder mit echten Beschriftungen, nicht nur Platzhaltern
- Überschriftenebenen folgen der Gliederung, genau eine H1 pro Seite
- Sprungmarke zum Inhalt vorhanden
- Bei 200 Prozent Zoom bleibt alles lesbar und erreichbar
- Sprache der Seite im Markup ausgezeichnet
Der Ablauf steht in Barrierefreiheit testen, die Pflichtenlage in BFSG.
F. Darstellung und Performance
- Auf einem echten Telefon geprüft, nicht in der Editor-Vorschau
- Bei 360, 768 und 1.440 Pixel Breite geprüft, keine horizontale Scrollleiste
- Kein Element ragt über den Bildschirmrand hinaus, besonders Tabellen und Codeblöcke
- Ladezeit mobil gemessen, Bilder in richtiger Größe und modernem Format
- Alle Bilder haben Breiten- und Höhenangaben, damit nichts verrutscht
- Caching aktiv, Kompression aktiv
G. Bei einem Relaunch zusätzlich
- Weiterleitungsplan vollständig, jede alte Adresse hat ein passendes Ziel
- Weiterleitungen live einzeln getestet, keine Ketten, Statuscode 301
- Alte Version gesichert und für mindestens sechs Monate aufbewahrt
- Referenzwerte von vorher notiert, um Verschlechterungen zu erkennen
Die vollständige Vorgehensweise steht in Relaunch planen.
Nach dem Umschalten
Am selben Tag: Auffindbarkeit erneut prüfen, Sitemap einreichen, Formular noch einmal live testen, die zehn wichtigsten Seiten aufrufen.
Erste Woche, täglich: Fehlerberichte in der Search Console, Serverlogs auf Fehlerseiten, Formulareingänge.
Erster Monat, wöchentlich: Indexierungsstatus, Positionen der wichtigsten Seiten, Ladezeit-Felddaten, Rückmeldungen von Besuchern.
Ein Rückgang in den ersten zwei Wochen ist bei einem Relaunch normal. Hält er nach vier Wochen an, liegt die Ursache fast immer bei den Weiterleitungen oder bei Inhalten, die beim Umbau dünner geworden sind.