Hosting-Vergleiche im Netz stellen Speicherplatz, Traffic und Preis nebeneinander. Alle drei sagen über die Qualität eines Angebots fast nichts. Diese Seite geht die Kriterien durch, die tatsächlich einen Unterschied machen, und beschreibt, wie man sie vor dem Abschluss prüft.
Was wirklich zählt
1. Serverleistung bei gleichzeitigen Zugriffen
Bei geteiltem Hosting laufen viele Projekte auf einer Maschine. Anbieter begrenzen deshalb, wie viele Prozesse ein Vertrag gleichzeitig ausführen darf, teils auch die verfügbare Rechenzeit und den Arbeitsspeicher pro Prozess.
Das ist die Kennzahl, die über die gefühlte Geschwindigkeit entscheidet, und sie steht selten in der Tarifübersicht. Erkennbar wird sie an Formulierungen in den Nutzungsbedingungen oder an einer Angabe wie “Entry Processes”. Praktisch prüft man sie, indem man eine Testinstallation aufsetzt und die Antwortzeit unter mehreren gleichzeitigen Aufrufen messen lässt.
2. Aktualität der Software
Prüfbar in der Tarifbeschreibung oder im Kundenbereich: aktuelle PHP-Version wählbar, aktuelle Datenbankversion, HTTP/2 oder HTTP/3, Brotli-Kompression, OPcache verfügbar. Ein Anbieter, der veraltete PHP-Versionen als Standard fährt, kostet Ladezeit und stellt ein Sicherheitsproblem dar.
3. Backups mit Selbstbedienung
Zwei Fragen: Wie oft wird gesichert, und können Sie selbst zurückspielen? Ein Backup, das nur über ein Support-Ticket wiederhergestellt wird, hilft am Wochenende nicht. Wünschenswert sind tägliche Sicherungen mit mindestens sieben Tagen Vorhaltezeit und einem Wiederherstellungsknopf im Kundenbereich.
4. Serverstandort und Auftragsverarbeitung
Standort innerhalb der EU vereinfacht die datenschutzrechtliche Prüfung erheblich. Der Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO ist Pflicht und sollte im Kundenkonto abrufbar sein, nicht auf Anfrage. Details in Serverstandort und DSGVO.
5. Support, der erreichbar ist
Nicht die versprochene Reaktionszeit, sondern die tatsächliche. Ein einfacher Test vor dem Abschluss: eine fachliche Frage per E-Mail stellen und die Antwortzeit sowie die Qualität der Antwort messen. Ein Anbieter ohne telefonischen Kontakt ist bei einem Totalausfall ein Risiko.
6. Anzahl der Domains und Datenbanken
Für ein einzelnes Projekt irrelevant, für mehrere Projekte entscheidend. Wichtig ist, dass jede Domain in ein eigenes Verzeichnis zeigt, damit sich Projekte nicht gegenseitig beeinflussen.
7. E-Mail-Funktionen
Eigene Postfächer mit ausreichend Speicherplatz, IMAP, und vor allem die Möglichkeit, SPF, DKIM und DMARC zu setzen. Ohne diese Einträge landen Nachrichten von der eigenen Domain im Spam. Siehe E-Mail mit eigener Domain.
Was nicht zählt
| Kennzahl | Warum irrelevant |
|---|---|
| Speicherplatz | Aktuelle Tarife bieten ein Vielfaches des Bedarfs |
| Unbegrenzter Traffic | Begrenzt wird die Rechenleistung, nicht das Volumen |
| Anzahl der Vorlagen | Betrifft den mitgelieferten Baukasten, nicht das Hosting |
| Werbeversprechen zur Geschwindigkeit | Nicht überprüfbar, ohne selbst zu messen |
| Auszeichnungen und Testsiegel | Häufig gekauft oder Jahre alt |
| Verfügbarkeitsangabe in Prozent | Ohne Vertragsstrafe eine Absichtserklärung |
Preise realistisch einordnen
| Tarifklasse | Monatlich | Passt für |
|---|---|---|
| Einsteigertarif | 2 bis 6 Euro | eine kleine Seite, wenig Besucher |
| Standardtarif | 6 bis 15 Euro | CMS-Seite mit normalem Aufkommen |
| Leistungstarif | 15 bis 30 Euro | mehrere Projekte, höheres Aufkommen |
| Managed WordPress | 15 bis 60 Euro | WordPress ohne eigene Wartung |
| Statisches Hosting | 0 bis 5 Euro | statische Builds, Landingpages |
Zwei Effekte verschieben den echten Preis fast immer:
Aktionspreis im ersten Jahr. Bei nahezu allen Anbietern üblich. Entscheidend ist der Verlängerungspreis, der nicht selten das Doppelte beträgt. Er steht in der Preisübersicht, häufig als Fußnote.
Domain im Tarif enthalten. Meist nur im ersten Jahr, danach separat berechnet. Bei einem Tarif für 3 Euro monatlich mit “kostenloser” Domain ist die Domain ab Jahr zwei ein Aufschlag von rund 15 Euro jährlich.
Prüfliste vor dem Abschluss
- Verlängerungspreis nachgelesen, nicht nur den Aktionspreis
- PHP- und Datenbankversion geprüft
- Auftragsverarbeitungsvertrag gefunden und Serverstandort bestätigt
- Backup-Frequenz und Selbstbedienungs-Wiederherstellung bestätigt
- Kündigungsfrist und Laufzeit gelesen
- Umzugsunterstützung geprüft, sofern eine Seite mitkommt
- Eine Testfrage an den Support gestellt und die Antwort abgewartet
Punkt 7 dauert einen Tag und erspart im Ernstfall viel. Wer auf eine sachliche Frage eine Textbaustein-Antwort erhält, weiß, was bei einem Ausfall zu erwarten ist.
Nach dem Abschluss
Die ersten Schritte entscheiden, ob das Hosting später Probleme macht: SSL aktivieren und HTTPS erzwingen, eine Schreibweise als Original festlegen und die andere weiterleiten, E-Mail-Einträge setzen, Backup einmal testweise zurückspielen, und einen ersten Referenzwert für die Antwortzeit messen. Die vollständige Reihenfolge steht im Überblick unter Hosting und Domains, die Messung in Ladezeit messen.