Ein Hosterwechsel ist Routine, wenn die Reihenfolge stimmt, und ein Ausfall, wenn nicht. Der Grund ist, dass mehrere Dinge gleichzeitig umziehen: Dateien, Datenbank, E-Mail und die DNS-Einträge, die auf all das zeigen.
Wann ein Wechsel sich lohnt
Begründet:
- Anhaltend hohe Antwortzeiten, gemessen als Zeit bis zum ersten Byte
- Wiederholte Ausfälle
- Veraltete PHP- oder Datenbankversionen ohne Aussicht auf Aktualisierung
- Kein Vertrag zur Auftragsverarbeitung verfügbar
- Support bei Störungen nicht erreichbar
- Kein Backup mit Wiederherstellung im Selbstservice
Nicht begründet:
- Zwei Euro monatlich Preisunterschied. Der Aufwand für einen sauberen Umzug übersteigt die Ersparnis bei kleinen Paketen deutlich
- Eine schlechte Ladezeit, die an Bildern und Skripten hängt. Siehe Bilder optimieren
Der Ablauf
Vorbereitung, eine Woche vorher
- Neuen Tarif buchen, noch ohne Domain-Umstellung
- DNS-Gültigkeitsdauer absenken, etwa auf 300 Sekunden. Damit greift die spätere Umstellung schnell
- Vollständige Sicherung der alten Umgebung anlegen: Dateien, Datenbank, E-Mail-Postfächer
- Bestandsliste erstellen: welche Domains, welche Unterdomains, welche Postfächer, welche Weiterleitungen, welche Cronjobs, welche DNS-Einträge
- Zugänge zum Domain-Verwalter prüfen. Wer die Nameserver nicht ändern kann, kann nicht umziehen
Punkt 4 wird häufig unvollständig gemacht. Vergessene E-Mail-Weiterleitungen und Cronjobs sind die typischen Nachzügler.
Aufbau der neuen Umgebung
- Dateien übertragen und Verzeichnisstruktur herstellen
- Datenbank importieren und Zugangsdaten in der Konfiguration anpassen
- Alle E-Mail-Postfächer anlegen, mit identischen Adressen. Das muss vor der DNS-Umstellung passieren
- Vorhandene E-Mails übertragen, üblicherweise per IMAP-Synchronisation zwischen alt und neu
- Zertifikat auf dem neuen Server ausstellen, noch vor der Umstellung, sofern der Anbieter das ohne aktive Domain erlaubt
- Testen über eine temporäre Adresse oder über einen lokalen Eintrag in der Hosts-Datei: Startseite, Unterseiten, Formulare, Anmeldebereich, Bilder
Schritt 8 ist die wichtigste Reihenfolgeregel des ganzen Vorgangs. Während sich die DNS-Änderung verbreitet, liefern manche Absender schon an den neuen Server. Existiert dort das Postfach nicht, werden die Nachrichten abgewiesen oder verworfen.
Umstellung
- DNS-Einträge umstellen, entweder Nameserver wechseln oder die A- und MX-Einträge einzeln anpassen
- Beide Server parallel laufen lassen, mindestens 72 Stunden
- E-Mail-Synchronisation weiterlaufen lassen, bis keine neuen Nachrichten mehr auf dem alten Server ankommen
- Verschlüsselung prüfen und Weiterleitung auf HTTPS erzwingen. Siehe SSL-Zertifikat
- Alle vier Adressvarianten prüfen: mit und ohne
www, jeweils verschlüsselt und unverschlüsselt
Nachlauf
- Formulare mit echtem Versand testen, und im Zielpostfach nachsehen
- E-Mail-Einträge prüfen: SPF, DKIM und DMARC müssen für den neuen Server stimmen, sonst landen Nachrichten im Spam
- Backup auf dem neuen Server einrichten und eine Wiederherstellung testen
- Cronjobs neu anlegen, sie ziehen nicht mit um
- Antwortzeit messen und mit dem alten Wert vergleichen
- Alten Vertrag erst kündigen, wenn alles zwei Wochen stabil läuft, und die Sicherung behalten
Schritt 18 ist der zweite häufige Nachzügler: Ein korrekt umgezogener Server mit falschem SPF-Eintrag versendet Mails, die im Spam landen, und niemand merkt es sofort. Siehe E-Mail mit eigener Domain.
Was nicht mitzieht
| Element | Muss neu eingerichtet werden |
|---|---|
| Cronjobs und geplante Aufgaben | ja |
| E-Mail-Weiterleitungen und Sammeladressen | ja |
| Automatische Antworten | ja |
| Zertifikate | ja, meist automatisch |
| Serverseitige Weiterleitungsregeln | ja, sofern in der Serverkonfiguration |
| DNS-Einträge für Drittdienste | ja, etwa Nachweis-Einträge |
| Backups und deren Zeitplan | ja |
| Spamfilter-Einstellungen | ja |
Die letzte Zeile in der Liste der DNS-Einträge ist wichtig: Nachweis-Einträge für Dienste wie Search Console oder Mailversand hängen an der DNS-Zone. Wird die Zone beim Nameserver-Wechsel neu aufgebaut, fehlen sie und Verknüpfungen brechen.
Sonderfall Domain-Transfer
Ein Domain-Transfer ist ein eigener Vorgang und sollte nicht gleichzeitig mit dem Hosting-Umzug erfolgen. Der ruhigere Weg: erst das Hosting umziehen und die Domain nur auf die neuen Server zeigen lassen, dann nach ein bis zwei Wochen die Domain transferieren, wenn gewünscht.
Und die Grundregel bleibt: Die Domain sollte im eigenen Konto liegen, nicht beim Dienstleister. Sonst ist jeder Wechsel von dessen Kooperation abhängig.