Ein Prüfdurchlauf vor dem Livegang dauert unter zwei Stunden und findet den größten Teil der Fehler, die sonst wochenlang unbemerkt bleiben. Die Werkzeuge dafür sind kostenlos.
Die vier Kategorien
1. Technik und Auffindbarkeit
Ein Crawler läuft die Website ab und liefert je Seite: Statuscode, Titel, Beschreibung, Überschriften, interne und externe Links, Weiterleitungen, kanonische Angaben.
Findet: tote Links, Weiterleitungsketten, doppelte Titel, fehlende Beschreibungen, verwaiste Seiten, falsche Statuscodes, Seiten mit Indexierungssperre.
Die Search Console zeigt, was Suchmaschinen tatsächlich sehen: Indexierungsstatus je Seite mit Begründung, Fehler in strukturierten Daten, Ladezeit-Felddaten, Sicherheitswarnungen.
Manuelle Prüfungen: die vier Adressvarianten, die Fehlerseite mit Code 404, die robots.txt, die Sitemap. Details in Technisches SEO.
2. Ladezeit
Ein Ladezeittest mit Felddaten liefert Labor- und Felddaten zusammen und schlüsselt die Ursachen auf. Wichtig: mobil messen, mehrmals, und die Felddaten höher gewichten als den Labortest.
Die Netzwerkangaben der Entwicklerwerkzeuge zeigen im Wasserfalldiagramm, welche Datei wann geladen wird und was worauf wartet. Hier findet man die konkrete Ursache. Details in Ladezeit messen.
3. Barrierefreiheit
Ein Prüfwerkzeug als Browser-Erweiterung findet fehlende Alternativtexte, fehlende Formularbeschriftungen, Kontrastprobleme bei einfarbigen Hintergründen, Strukturfehler und doppelte Kennungen. Es findet etwa ein Drittel der tatsächlichen Verstöße.
Der Tastaturtest ist die Prüfung mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Maus weglegen, durchtabben. Er findet Fokusprobleme, unbedienbare Menüs, Fokusfallen und unsichtbare fokussierbare Elemente.
Ein Screenreader, auf beiden gängigen Systemen eingebaut. Findet unsinnige Vorlesereihenfolgen, nichtsagende Alternativtexte und fehlende Ankündigungen.
Ein Kontrastprüfer für die Stellen, die automatisierte Werkzeuge nicht erfassen: Text auf Bildern, Zustände beim Überfahren und bei Fokus.
Der vollständige Ablauf steht in Barrierefreiheit testen.
4. Darstellung
Die Gerätesimulation im Browser für die Breiten 360, 768, 1024 und 1440 Pixel, dabei die Breite langsam ziehen statt zu springen. Die Zwischenbreiten sind die, in denen Layouts brechen.
Ein echtes Telefon, weil die Simulation Touch-Verhalten, echte Netzgeschwindigkeit, Systemschriftgrößen und das Verhalten von Adressleiste und Bildschirmtastatur nicht abbildet.
Zoom auf 200 Prozent, was gleichzeitig ein Barrierefreiheitskriterium ist.
Querformat, wird selten geprüft und bricht bei Elementen mit voller Bildschirmhöhe regelmäßig.
Was die Werkzeuge nicht finden
Diese Punkte gehören von Hand geprüft, weil kein Werkzeug sie melden kann:
- Ein Formular, das eine Erfolgsmeldung zeigt und keine Mail versendet. Der häufigste stille Fehler auf Websites. Nur durch echtes Absenden und Nachsehen im Postfach zu finden
- Ein Alternativtext, der da ist, aber nichts aussagt
- Eine falsche Telefonnummer
- Veraltete Preise oder Öffnungszeiten
- Ein Text, der nicht hält, was der Seitentitel versprochen hat
- Ein Kontaktweg, der zwar existiert, aber schwer zu finden ist
- Ein Ablauf, der technisch funktioniert und unverständlich ist
Punkt 1 verdient eine eigene Erwähnung: Er meldet keinen Fehler, es kommen einfach keine Anfragen mehr. Nach jedem Update, jeder Cache-Aktivierung und jedem Hosterwechsel gehört er getestet.
Ein Prüfdurchlauf in unter zwei Stunden
| Schritt | Dauer |
|---|---|
| Crawler laufen lassen und Befunde notieren | 20 Minuten |
| Adressvarianten, Fehlerseite, robots.txt, Sitemap | 10 Minuten |
| Ladezeittest auf drei Seitentypen, mobil | 15 Minuten |
| Automatisierter Barrierefreiheitstest | 20 Minuten |
| Tastaturtest | 25 Minuten |
| Zoom und schmale Darstellung | 10 Minuten |
| Formulare mit echtem Versand | 10 Minuten |
| Echtes Telefon | 15 Minuten |
Zusammen etwa 125 Minuten für eine kleine Website. Bei größeren Beständen skaliert nur der Crawler-Teil, weil man Seitentypen prüft und nicht jede Seite.
Die Befunde gehören in eine Liste mit Seite, Element, Befund und Priorität. Was davon vor dem Livegang behoben sein muss, steht in der Launch-Checkliste.
Laufende Überwachung
Für geschäftskritische Seiten lohnt darüber hinaus eine Überwachung der Erreichbarkeit, die bei einem Ausfall benachrichtigt, sowie eine Überwachung des Zertifikatsablaufs. Beides gibt es in brauchbarer Qualität kostenlos.
Alles Weitere, also laufende Positionsverfolgung und Wettbewerbsbeobachtung, ist keine Prüfung mehr, sondern Marktbeobachtung. Siehe SEO-Tools.