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Barrierefreiheit

Alt-Texte: wann sie leer bleiben und wie gute klingen

Wie man Alternativtexte für Bilder schreibt: die Entscheidungsregel für leere Alt-Texte, Formeln für informative Bilder, Sonderfälle wie Logos, Diagramme und verlinkte Bilder, und die Umsetzung im CMS.

Zuletzt geprüft: 22.08.2026 Lesezeit ca. 4 Minuten

Fehlende oder unbrauchbare Alternativtexte sind der häufigste Barrierefreiheits-Befund im Web, und zugleich der am leichtesten zu behebende: Es braucht kein Budget und keinen Entwickler, nur eine klare Regel und ein wenig Disziplin beim Einpflegen. Beides liefert diese Seite.

Die eine Entscheidungsregel

Vor jedem Bild steht dieselbe Frage: Welche Information ginge verloren, wenn das Bild fehlte?

Ginge nichts verloren, ist das Bild dekorativ und bekommt einen leeren Alternativtext. Leer heißt: das Attribut ist vorhanden und leer (alt=""). Damit überspringen Hilfsmittel das Bild wortlos. Das ist die richtige Behandlung für Stimmungsbilder, Hintergrundmotive, Trennlinien und Symbole, deren Bedeutung direkt daneben als Text steht.

Ginge etwas verloren, ist das Bild informativ, und der Alternativtext liefert genau diese Information. Nicht mehr, nicht weniger.

Der häufigste Systemfehler ist das fehlende Attribut: Dann erfinden Hilfsmittel eine Beschreibung aus dem Dateinamen, und der Nutzer hört “IMG unterstrich zwanzig dreiundzwanzig unterstrich final Punkt jpg”. Das ist schlechter als jede der beiden richtigen Varianten.

Formeln für gute Alt-Texte

Für die informativen Bilder haben sich drei einfache Muster bewährt:

Objekt plus relevantes Detail. Beschreiben, was zu sehen ist, mit dem Detail, auf das es im Kontext ankommt. “Weißes Ledersofa mit drei Sitzplätzen, Seitenansicht” auf einer Produktseite. “Das Team vor dem Firmengebäude, acht Personen” auf der Über-uns-Seite.

Funktion statt Aussehen bei verlinkten Bildern. Dient ein Bild als Link oder Schaltfläche, beschreibt der Alt-Text das Ziel, nicht das Motiv: “Zur Startseite” für das verlinkte Logo, “Produktdatenblatt herunterladen” für das PDF-Symbol. Der Nutzer entscheidet anhand des Textes, ob er klickt.

Bildtyp benennen, wo er die Erwartung prägt. Bei Screenshots, Illustrationen, Karten oder historischen Fotos gehört der Typ an den Anfang: “Screenshot: Einstellungsdialog mit aktivierter Zwei-Faktor-Anmeldung”. So weiß der Hörer, was für eine Art Abbild folgt.

Drei Formulierungsregeln dazu: Kein “Bild von” oder “Foto von” am Anfang, denn dass es ein Bild ist, kündigt das Hilfsmittel selbst an. Keine Wiederholung der Bildunterschrift, die wird ohnehin gelesen. Und keine Keyword-Ketten; der Text wird Menschen vorgelesen und muss als Satz funktionieren.

Die Sonderfälle

Logos. Das Firmenlogo trägt den Firmennamen als Information: alt gleich Firmenname. Ist es verlinkt, gilt die Funktionsregel: “Zur Startseite” oder beides, “Firmenname, zur Startseite”.

Diagramme und Infografiken. Ein Alternativtext kann ein Diagramm nicht ersetzen, er kann es nur zusammenfassen: “Balkendiagramm: Umsatz wächst von 2022 bis 2025 von 1,2 auf 2,8 Millionen Euro”. Die vollständigen Daten gehören als Tabelle oder Fließtext auf die Seite. Das hilft allen Lesern, nicht nur denen mit Screenreader.

Text im Bild. Wenn sich Text im Bild nicht vermeiden lässt, etwa bei einer zitierten Anzeige, muss der Alternativtext den vollständigen Text wiedergeben. Die bessere Lösung bleibt, Text gar nicht erst in Bilder zu setzen, siehe WCAG-Grundlagen.

Produktbilder im Shop. Jedes Bild mit eigener Information braucht einen eigenen Text: Die Frontansicht, die Detailaufnahme des Reißverschlusses und die Maßtabelle als Bild sind drei verschiedene Informationen. Identische Zusatzbilder ohne neue Information dürfen leer bleiben. Für Shops ist das Pflege-Thema Nummer eins, siehe Barrierefreier Onlineshop.

Icons neben Text. Ein Symbol neben einer gleichlautenden Beschriftung ist dekorativ: Das Telefonsymbol neben dem Wort “Telefon” bekommt einen leeren Alt-Text, sonst hört der Nutzer “Telefon Telefon”.

Karten und Anfahrtsskizzen. Alt-Text mit der Kernaussage (“Karte: Standort am Marktplatz 3, Ecke Hauptstraße”) plus die Adresse als Text daneben, denn die Karte selbst ist für viele Nutzergruppen ohnehin unzugänglich.

Umsetzung im CMS und im Prozess

Jedes verbreitete System hat ein Feld für den Alternativtext, und fast überall wird es beim Hochladen übersprungen. Drei Handgriffe machen daraus einen Prozess:

  1. Beim Hochladen ausfüllen, nicht später. Später heißt nie. In der Mediathek gepflegte Texte werden in den meisten Systemen beim Einfügen übernommen und müssen dann nur im Kontext geprüft werden.
  2. Kontext schlägt Mediathek. Dasselbe Foto kann auf der Team-Seite (“Porträt von Geschäftsführerin Anna Beispiel”) anders beschriftet sein als im Blogbeitrag, wo es dekorativ ist. Systeme, die den Text pro Einbindung überschreiben lassen, nutzen.
  3. Bestand mit Werkzeug prüfen. Automatische Prüfwerkzeuge finden fehlende Alt-Attribute zuverlässig, gefundene Texte prüft man von Hand auf Sinn. Der Ablauf steht in Barrierefreiheit testen.

Für angehängte Dokumente gilt das Thema übrigens weiter: Auch Abbildungen in PDF-Dateien brauchen Alternativtexte, siehe Barrierefreie PDF.

Der Schnelltest für vorhandene Texte

Eine Seite aufrufen, Bilder gedanklich ausblenden und nur die Alternativtexte lesen. Drei Fragen: Erfährt man alles, was die Bilder mitteilen? Hört man nichts doppelt? Und klingt es nach Sprache statt nach Stichwortliste? Wer alle drei mit Ja beantwortet, ist mit diesem Kriterium fertig, und zwar mit dem meistgeprüften von allen.

Werkzeuge für den Selbsttest

Automatische Prüfungen finden nach übereinstimmender Einschätzung rund ein Drittel der Barrieren. Die restlichen zwei Drittel braucht Handarbeit – deshalb stehen hier zwei manuelle Verfahren mit in der Liste.

  1. Platz 1: WAVE

    Erster Überblick

    Passt für: Der schnellste Einstieg ohne Installation

    Prüft eine Seite direkt im Browser und markiert Fehler visuell im Layout. Gut geeignet, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, wo die Probleme liegen.

    kostenlos Zu WAVE
  2. Platz 2: axe DevTools

    Genauester Automat

    Passt für: Systematische Prüfung während der Entwicklung

    Die verlässlichste automatische Prüfung, mit klarer Zuordnung zu den WCAG-Kriterien und wenig Fehlalarmen. Läuft als Browser-Erweiterung direkt an der eigenen Seite.

    Browser-Erweiterung kostenlos Zu axe DevTools
  3. Platz 3: Lighthouse

    Schon installiert

    Passt für: Regelmäßige Kontrolle ohne Zusatzwerkzeug

    In jedem Chrome enthalten und deshalb der Test, den man tatsächlich wiederholt. Der Accessibility-Wert ist grob, aber als Trendlinie über die Zeit brauchbar.

    kostenlos, in Chrome enthalten Zu Lighthouse
  4. Platz 4: Colour Contrast Analyser

    Kontraste

    Passt für: Der häufigste Mangel überhaupt

    Misst Kontrastwerte per Pipette, auch auf Bildern und Verläufen, wo automatische Prüfungen aussteigen. Zu geringe Kontraste sind der mit Abstand häufigste Befund auf deutschen Websites.

  5. Platz 5: NVDA

    Der ehrliche Test

    Passt für: Prüfen, ob die Seite ohne Blick nutzbar ist

    Kostenloser Screenreader für Windows. Eine halbe Stunde damit über die eigene Seite zeigt mehr als jede automatische Prüfung – vor allem, ob die Reihenfolge der Inhalte überhaupt Sinn ergibt.

    kostenlos Zu NVDA

Wie diese Liste zustande kommt

Sortiert wird nach dem Anwendungsfall, den der Bereich Barrierefreiheit behandelt, nicht nach Vergütung. In diesem Bereich steht hinter keinem der fünf Ziele ein Partnerprogramm. Preisangaben Stand 28.07.2026, ohne Gewähr. Maßgeblich ist immer der Preis beim Anbieter.

Häufige Fragen

Was ist ein Alt-Text?

Der Alternativtext eines Bildes, hinterlegt im alt-Attribut. Er wird vorgelesen, wenn ein Nutzer das Bild nicht sehen kann, und angezeigt, wenn es nicht lädt. Er ist die Textalternative im Sinne der WCAG und das am häufigsten geprüfte Kriterium überhaupt.

Wann bleibt der Alt-Text leer?

Wenn das Bild keine Information trägt, die nicht schon im Text steht: Zierbilder, Hintergrundmotive, Symbole neben gleichlautender Beschriftung. Leer heißt dabei ein vorhandenes, leeres alt-Attribut. Ein fehlendes Attribut ist keine Entscheidung, sondern ein Fehler, denn dann lesen Hilfsmittel den Dateinamen vor.

Wie lang darf ein Alt-Text sein?

So kurz wie möglich, so lang wie nötig, als Richtwert ein bis zwei Sätze. Wer mehr als etwa 150 Zeichen braucht, beschreibt meist ein komplexes Bild wie ein Diagramm, und dessen Inhalt gehört in den sichtbaren Text oder eine Tabelle, nicht ins Attribut.

Sind Alt-Texte gut für SEO?

Ja, als Nebeneffekt: Suchmaschinen nutzen sie zum Verständnis von Bildern, und für die Bildersuche sind sie ein direktes Signal. Wer sie deshalb mit Keywords vollstopft, erreicht das Gegenteil, denn der Text wird Menschen vorgelesen und muss für sie funktionieren.

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