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Shopsysteme im Vergleich: die Kipppunkte kennen

Shop-Erweiterung, gehostete Plattform oder selbst betriebene Shop-Software: der Vergleich nach Katalogumfang, Kosten, Pflichten und den Punkten, an denen ein Wechsel unvermeidbar wird.

Zuletzt geprüft: 26.07.2026 Lesezeit ca. 4 Minuten

Die Systemfrage entscheidet beim Shop mehr als bei jeder anderen Website, weil ein Shop nicht nur Inhalte darstellt, sondern Prozesse abbildet: Bestand, Bezahlung, Versand, Steuer, Rückgabe. Ein System, das an einer dieser Stellen nicht passt, wird mit Erweiterungen nachgebaut, und das ist der Punkt, an dem Shops teuer werden.

Die drei Wege

Shop-Erweiterung auf einer bestehenden Website

Eine Erweiterung ergänzt eine vorhandene Seite um Produkte, Warenkorb und Kasse. Der Vorteil liegt auf der Hand: Es gibt schon eine Website, es gibt schon Inhalte, und die Einstiegskosten sind niedrig.

Passt bei: kleinem Katalog, einfachen Artikeln ohne Varianten, Versand nur innerhalb eines Landes, Shop als Ergänzung eines anderen Geschäfts.

Wird mühsam bei: Varianten mit eigenem Bestand, mehreren Versandzonen mit unterschiedlichen Kosten, Staffelpreisen, Kundengruppen mit eigenen Preisen, Anbindung an eine Warenwirtschaft.

Kosten: Hosting 10 bis 30 Euro monatlich, Erweiterungen 0 bis 300 Euro jährlich, plus Zahlungsgebühren.

Wartung: die eines CMS plus die des Shop-Teils. Bei einem Shop sind Updates nicht optional, weil Zahlungsschnittstellen und Rechtstexte sich ändern.

Gehostete Shop-Plattform

Alles aus einer Hand: Hosting, Kasse, Zahlungsanbindung, Versandregeln, Steuerlogik, Updates, Sicherheit. Man mietet ein fertiges System und richtet es ein.

Passt bei: Shop als Hauptgeschäft, Wunsch nach geringem technischem Aufwand, wachsendem Katalog, Versand in mehrere Länder.

Wird zum Problem bei: sehr eigenen Prozessen, die das System nicht vorsieht, sowie bei einem späteren Wechsel, weil Katalog, Bestellungen und Kundendaten im System liegen.

Kosten: 30 bis 100 Euro monatlich in den üblichen Tarifen, plus Zahlungsgebühren, plus teils Umsatzbeteiligung oder Aufpreis für bestimmte Zahlungsanbieter.

Wartung: minimal auf technischer Seite, dafür laufende Einrichtungsarbeit bei Preisen, Beständen und Regeln.

Selbst betriebene Shop-Software

Volle Kontrolle über Daten, Prozesse und Anbindungen. Der Weg, sobald eine Warenwirtschaft, ein Kassensystem oder eigene Logik im Spiel ist.

Passt bei: ab etwa 200 Bestellungen im Monat, bei mehreren Vertriebskanälen, bei B2B mit Kundengruppen und Staffelpreisen, bei Anbindung an ein bestehendes System.

Ist überdimensioniert bei: kleinen Katalogen. Die Betriebskosten und der Betreuungsaufwand stehen dort in keinem Verhältnis.

Kosten: Hosting 30 bis 200 Euro monatlich, Betreuung ist der eigentliche Posten.

Vergleich

KriteriumErweiterungPlattformEigene Software
EinrichtungTageTage bis WochenWochen bis Monate
Monatliche Kosten10 bis 40 Euro30 bis 100 Euro30 bis 200 Euro
Technischer Aufwandmittelgeringhoch
Varianten und Beständebegrenztgutvollständig
Mehrere Ländermühsamgutvollständig
Warenwirtschaft anbindenschwierigüber Schnittstellenvollständig
Datenhoheitvollständigbegrenztvollständig
Umzug spätermachbaraufwendigmachbar
Sinnvoll bis50 bis 100 Artikelmehrere Tausendunbegrenzt

Die Kipppunkte

Ein Systemwechsel ist teuer. Deshalb lohnt es, die Punkte zu kennen, an denen die günstigere Lösung nicht mehr trägt:

Varianten mit eigenem Bestand. Sobald ein Artikel in drei Größen und vier Farben mit je eigenem Lagerstand existiert, wird eine einfache Erweiterung zur Handarbeit.

Mehr als eine Versandzone. Unterschiedliche Kosten je Land, Gewichtsstaffeln, Speditionsversand für einzelne Artikel. Das ist der häufigste Punkt, an dem improvisiert wird, mit falschen Versandkosten als Folge.

Grenzüberschreitender Verkauf an Verbraucher. Die umsatzsteuerliche Behandlung ändert sich ab bestimmten Schwellen, und das System muss die Sätze je Land korrekt anwenden können.

Buchhaltung. Sobald Rechnungen manuell in ein zweites System übertragen werden, kostet der Prozess mehr als die Anbindung.

Bestellvolumen. Ab etwa fünfzig Bestellungen im Monat wird jeder manuelle Schritt zum Zeitfresser.

Was bei jedem System gleich bleibt

Drei Dinge hängen nicht am System und werden trotzdem regelmäßig unterschätzt:

Produktdaten. Bilder, Beschreibungen, Maße, Gewichte, Varianten. Das ist der größte Arbeitsposten beim Aufbau, unabhängig von der Technik. Für sechzig Artikel sind mehrere Tage realistisch.

Rechtstexte. AGB, Widerrufsbelehrung, Preisangaben, Herstellerinformationen, Versand- und Zahlungsinformationen. Bei einem Shop ist die anwaltliche Prüfung nicht Luxus, sondern günstiger als die erste Abmahnung. Siehe Pflichtangaben im Shop.

Barrierefreiheit. Shops sind Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr und fallen damit regelmäßig in den Anwendungsbereich des BFSG, sofern keine Kleinstunternehmen-Ausnahme greift. Die Kasse ist dabei der kritische Bereich. Siehe BFSG-Pflichten.

Empfehlung nach Ausgangslage

Zwanzig Artikel, Verkauf als Nebengeschäft, Versand innerhalb Deutschlands: Erweiterung auf der bestehenden Website. Alles andere ist zu viel.

Shop ist das Geschäft, Katalog wächst, wenig Technikinteresse: gehostete Plattform. Der Aufpreis kauft Zeit, die anderswo mehr wert ist.

B2B mit Kundengruppen, Staffelpreisen und Warenwirtschaft: selbst betriebene Software mit Betreuung.

Unsicher zwischen Erweiterung und Plattform: die Frage nach Varianten und Versandzonen beantworten. Sie entscheidet in den meisten Fällen.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Artikeln braucht man eine echte Shop-Plattform?

Nicht die Artikelzahl allein entscheidet, sondern die Komplexität. Fünfhundert einfache Artikel ohne Varianten sind mit einer Erweiterung handhabbar, fünfzig Artikel mit Größen, Farben, Lagerbeständen und mehreren Versandzonen sind es nicht.

Was kosten Transaktionsgebühren wirklich?

Zahlungsanbieter nehmen je Vorgang typischerweise 1,5 bis 3 Prozent plus einen Festbetrag im Bereich von 25 bis 35 Cent. Bei kleinen Warenkörben ist der Festbetrag der relevante Teil: Bei 8 Euro Warenwert sind 30 Cent fast 4 Prozent.

Kann man einen Shop später umziehen?

Produktdaten und Kundendaten meist ja, per Export. Aufwendig sind Bestellhistorie, gewachsene Adressstruktur und alles, was über Erweiterungen abgebildet war. Ein Shop-Umzug ist deutlich teurer als ein Website-Umzug.

Braucht ein Shop eine Warenwirtschaft?

Unterhalb von etwa fünfzig Bestellungen im Monat selten. Sobald Lagerbestände an mehreren Stellen geführt werden, Rechnungen ins Buchhaltungssystem müssen oder Lieferanten angebunden werden, ist eine Anbindung günstiger als die manuelle Pflege.

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